Zwischen Macht, Schweigen und verdrängter Wahrheit!

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frangipani Avatar

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Durch den gut gemachten Einstieg war ich sofort im Buch drin. Ein heißer Sommerabend, eine glamouröse Party - und eine junge Frau, die spurlos verschwindet. Die Autorin verwebt diesen aktuellen Vermisstenfall geschickt mit einem älteren Mordfall und schafft so eine dichte, beklemmende Atmosphäre, die mich von Anfang an gefesselt hat.

Besonders gelungen fand ich die Verbindung aus moderner Start-up-Welt, Elite-Universität und einer Kultur des Wegsehens. Die Ermittlungen von Fredrika Storm und Henry Calment führen tief in ein Geflecht aus Macht, Abhängigkeiten und bewusstem Schweigen. Dass dabei nicht nur offensichtliche Verdächtige, sondern auch viele Nebenfiguren widersprüchlich und undurchsichtig bleiben, sorgt für permanente Spannung und Misstrauen beim Lesen.

Fredrika Storm wirkt sehr authentisch durch ihre emotionale Distanz, ihre Schwierigkeiten im Privaten und ihre kompromisslose Art. Jeder Kommissar muss ja ausgestattet sein mit einer eigenen Art, aber diese macht sie greifbar und menschlich. An wenigen Stellen haben mich die privaten Einschübe dann doch kurz aus dem Ermittlungsfluss geholt, doch insgesamt fügen sie sich stimmig ins Gesamtbild ein und verleihen der Figur Tiefe.

Der Schreibstil ist klar, bildhaftund und durch die kurzen Kapitel sehr lesefreundlich - dieses typische „nur noch ein Kapitel“-Gefühl stellt sich schnell ein. Besonders eindrucksvoll ist der reale Bezug zur Universität Lund, der der Geschichte zusätzliche Schwere und Glaubwürdigkeit verleiht. Das Ende überrascht, ohne konstruiert zu wirken, und hallt noch eine Weile nach.

Schattenmädchen ist ein spannender, kluger Schwedenkrimi mit gesellschaftlicher Tiefe, der auch ohne Vorkenntnisse der Reihe hervorragend funktioniert. Für mich ein überzeugender Band, der zeigt, wie nah Fiktion und Realität manchmal beieinanderliegen. Eine klare Empfehlung für Krimifans.