Was für ein atmosphärischer Einstieg!

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
hexenbücherei Avatar

Von

Als ich das Cover sah, musste ich sofort an meine eigene Islandreise denken. Ich stand selbst schon am Kirkjufellsfoss und habe auf diesen markanten Berg gestarrt. Dass das Cover jetzt diese glühenden Lavarisse über das vertraute Bild legt, erzeugt bei mir direkt ein unbehagliches, aber spannendes Gefühl, als ob unter der schönen Oberfläche, die ich als Touristin kennengelernt habe, etwas Gefährliches brodelt.
Ich bin gut in die Leseprobe reingekommen, weil der Schreibstil so angenehm unaufgeregt und trotzdem bildhaft ist. Besonders die Szenen am Anfang mit Hilmar im Schwimmbad und später im Stall wirken total authentisch, ich konnte den Geruch von Heu und Pferden fast wahrnehmen. Der Schreibstil ist angenehm bodenständig und kommt ohne langes Gequatsche aus. Gerade deshalb hat mich dieser krasse Umschwung so kalt erwischt. Erst beobachtet man Hilmar ganz entspannt dabei, wie er seinen Kaffee kocht und die Pferde füttert, und im nächsten Moment stolpert er über diese nackte Tote in der Box. Dieser Kontrast hat bei mir richtig gesessen.
Die Charaktere haben mich direkt neugierig gemacht. Hilmar wirkt wie ein sympathischer, pflichtbewusster Griesgram, während die Ermittlerin Helga mit ihrer leichten Verkatertheit und dem schwedischen Hintergrund sofort menschlich und greifbar erscheint. Auch die Fluchtsequenz des Jungen Kristófer war extrem packend geschrieben, ich habe richtig mitgefiebert, als er versuchte, sich durch das kleine Fenster zu zwängen. Da war der Spannungsaufbau wirklich auf dem Punkt, weil man genau wie er nicht wusste, wer oder was da eigentlich im Haus ist.
Für den weiteren Verlauf erwarte ich eine düstere, wendungsreiche Jagd durch das isländische Hinterland. Das Tattoo und die Spuren an der Leiche deuten ja schon an, dass hinter dem Fund im Pferdestall eine tiefere, vielleicht sehr persönliche Geschichte steckt. Ich möchte das Buch unbedingt weiterlesen, weil die verschiedenen Erzählstränge, der Mord, Kristófers Flucht und Bjarkis mutiger Einsatz im Hochland so geschickt ausgelegt sind, dass ich jetzt unbedingt wissen muss, wie diese Schicksale miteinander verknüpft sind.