Ein sehr diverses Ermittler-Team in Reykjavik
Die Kriminalermittlerin Helga Jónsdóttir hat gerade ihre neue Stelle beim Dezernat für Gewaltverbrechen der Kripo Reykjavik angetreten, als in Hafnafjörður in einer Pferdebox eine übel zugerichtete Tote gefunden wird. Es stellt sich heraus, dass die junge Mutter aus ihrer Wohnung entführt wurde und ihr 10-jähriger Sohn Kristófer vor dem Täter oder den Tätern in das naheliegende Lavafeld geflüchtet ist. Da Kristófers Vater Finnur für die Polizei kein Unbekannter ist, eilt die Fahndung nach dem Jungen und die Ermittler ziehen ihren Ex-Kollegen Bjarki mit seiner bereits pensionierten stattlichen Suchhündin Salka hinzu, der inzwischen bei der Verkehrspolizei arbeitet. Bjarki, der sich im Gegensatz zu den Ermittlern aus der Hauptstadt selbst als Outdoor-Menschen einordnet, bewegt sich zu Pferd wie zu Fahrrad flink im Gelände. Sein spezielles Talent, die Natur und Tatorte zu lesen, wird dem Ermittler-Team noch gute Dienste leisten.
Während Helgas Situation als alleinerziehende Mutter einer 6-jährigen Tochter aktuell von ihrem Ex-Mann für einen Sorgerechtsstreit ausgenutzt wird, fragen die Leser:innen des bi-nationalen Autoren-Duos sich, wie Helga vom Jugendamt in Stockholm ausgerechnet zur Polizei Reykjavik gelangte, warum Bjarki nicht mehr beim Drogendezernat tätig ist und welche Vorgeschichte die Kriminaltechnikerin Yvette bisher verbirgt. Durch die zunächst nur angedeuteten Vorgeschichten der Ermittler bauen die Autoren zusätzlich zu den makabren Verbrechen subtile Spannung auf, ob die drei Kollegen durch persönliche Schwächen die Ermittlungen torpedieren könnten. Zugleich steht Helga unter dem Druck, dass Kollege Benni sie als Konkurrentin wertet und unablässig über „die Schwedin“ lästert, die ihm den begehrten Posten weggeschnappt hat. In einem weiteren, kursiv gedruckten Handlungsfaden verfolgen wir den Gedankenstrom des Täters und schauen ihm praktisch über die Schulter.
Als eine zweite ähnlich brutale Tat geschieht, steht fest, dass ein Serientäter nach einer höchst makabren Agenda handelt und weitere Frauen sich in großer Gefahr befinden. Durch die Angst, Islands Ruf im Ausland könnte geschadet werden, stehen die Ermittler unter besonderem Druck. Die so spannende wie brutale Handlung, die im Verlauf einer Woche stattfindet, erhält aus meiner Sicht besonderen Pfiff durch die Figur des Bjarni, der obwohl stetig von Kollegen abgewertet, im Verdächtigen einen würdigen Gegner für sich als Naturburschen sieht und stur seine halboffiziellen Ermittlungen verfolgt.
Fazit
Mit gleich drei Ermittler:innen samt ihren Ecken und Kanten, die berufliche Umbrüche hinter sich haben und gern einmal den Dienstweg umgehen, zeichnen sich in einer Serie makabrer Frauen-Morde Konflikte innerhalb des Teams ab, aber auch ganz persönliche Motive, aus denen Ermittler sich mit Opfern oder Zeugen besonders identifizieren. Dass Umwege auf den einzelnen Berufswegen die Stärke dieses sehr diversen Teams sind, macht neugierig auf die Fortsetzung der Serie.
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Serieninfo: Band 2 Stumme Fjorde ist bereits angekündigt
Während Helgas Situation als alleinerziehende Mutter einer 6-jährigen Tochter aktuell von ihrem Ex-Mann für einen Sorgerechtsstreit ausgenutzt wird, fragen die Leser:innen des bi-nationalen Autoren-Duos sich, wie Helga vom Jugendamt in Stockholm ausgerechnet zur Polizei Reykjavik gelangte, warum Bjarki nicht mehr beim Drogendezernat tätig ist und welche Vorgeschichte die Kriminaltechnikerin Yvette bisher verbirgt. Durch die zunächst nur angedeuteten Vorgeschichten der Ermittler bauen die Autoren zusätzlich zu den makabren Verbrechen subtile Spannung auf, ob die drei Kollegen durch persönliche Schwächen die Ermittlungen torpedieren könnten. Zugleich steht Helga unter dem Druck, dass Kollege Benni sie als Konkurrentin wertet und unablässig über „die Schwedin“ lästert, die ihm den begehrten Posten weggeschnappt hat. In einem weiteren, kursiv gedruckten Handlungsfaden verfolgen wir den Gedankenstrom des Täters und schauen ihm praktisch über die Schulter.
Als eine zweite ähnlich brutale Tat geschieht, steht fest, dass ein Serientäter nach einer höchst makabren Agenda handelt und weitere Frauen sich in großer Gefahr befinden. Durch die Angst, Islands Ruf im Ausland könnte geschadet werden, stehen die Ermittler unter besonderem Druck. Die so spannende wie brutale Handlung, die im Verlauf einer Woche stattfindet, erhält aus meiner Sicht besonderen Pfiff durch die Figur des Bjarni, der obwohl stetig von Kollegen abgewertet, im Verdächtigen einen würdigen Gegner für sich als Naturburschen sieht und stur seine halboffiziellen Ermittlungen verfolgt.
Fazit
Mit gleich drei Ermittler:innen samt ihren Ecken und Kanten, die berufliche Umbrüche hinter sich haben und gern einmal den Dienstweg umgehen, zeichnen sich in einer Serie makabrer Frauen-Morde Konflikte innerhalb des Teams ab, aber auch ganz persönliche Motive, aus denen Ermittler sich mit Opfern oder Zeugen besonders identifizieren. Dass Umwege auf den einzelnen Berufswegen die Stärke dieses sehr diversen Teams sind, macht neugierig auf die Fortsetzung der Serie.
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Serieninfo: Band 2 Stumme Fjorde ist bereits angekündigt