Jedes Wort ein Symptom
Als ein Mensch, der zu Hypochondrie neigt hat mich "Jedes Wort ein Symptom" sofort in den Bann gezogen, weil die Idee so absurd ist, dass sie schon wieder genial wirkt. Ein Kind, das jede Krankheit bekommt, von der es hört, und eine Mutter, die anfängt, Sprache wie eine Gefahr zu behandeln. Das ist gleichzeitig witzig und richtig beklemmend, weil man ständig merkt, wie schnell ein Gespräch kippen kann und wie viel Kontrolle plötzlich nötig ist, nur um den Alltag zu überstehen. Dazu diese komplett wilde Mischung aus Krankheit, Philosophie, Religion, Wiener Intellektuellenkreis, Fußnoten und einer Realität, die sich an Worten entzündet. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass der Text ständig schlauer wird, ohne dabei trocken zu sein. Man lacht, dann bleibt einem das Lachen kurz stecken, und genau das macht den Reiz aus.