Ein Roman, der intellektuell kitzelt
In der Geschichte steckt ein faszinierender Einfall. Sprache hat Konsequenzen, im wörtlichen Sinn und daraus entsteht eine Welt, die zugleich absurd-komisch und beunruhigend ist. Der Roman verknüpft dabei Familienkonstellationen, Intellektuellenmilieu und philosophische Gedankenspiele zu einem Sog, der sich oft anfühlt wie eine Mischung aus historischem Roman, Ideenliteratur und leichtem Mystery. Besonders gelungen finde ich, wie das Buch immer wieder zeigt, wie schnell Erklärungen zu Glaubenssätzen werden können und wie dünn die Grenze zwischen Ordnung und Chaos ist. Der Schreibstil ist eigenwillig, aber genau darin liegt seine Stärke: präzise, spielerisch, mit trockenem Humor und einer Lust an Abschweifungen, Fußnoten und gedanklichen Haken. Man muss sich darauf einlassen, weil der Text nicht „brav“ erzählt, sondern klug montiert und manchmal bewusst irritiert. Für mich hat das gut funktioniert, weil es die Themen (Sprache, Wahrheit, Deutungshoheit) nicht nur beschreibt, sondern formal spürbar macht.