Eine surreale Satire über Sprache und ihre Wirklichkeit

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markuszm Avatar

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„Schleifen“ von Elias Hirschl hat schon beim Cover etwas Eigenes: Der Titel in Großbuchstaben referenziert sich selbst in den schleifenartigen, mathematischen Körpern, die Buchstaben darstellen. Das passt, weil es im gesamten Roman um Sprache geht und die Unendlichkeit, also die Schleife, dabei eine wichtige Rolle spielt.

Was zunächst als Geschichte über die Sprachwissenschaftlerin Franziska Denk startet, die von Wörtern krank wird, ist in Wirklichkeit eine Biografie über Franziska Denk und den Mathematiker Otto Mandl, geschrieben von einer Germanistin namens Franka Sendzik. Sie möchten eine Universalsprache erfinden, da sie die derzeitigen Sprachen als nicht ausdrucksstark genug empfinden. Diese Parallelwelt wird im Laufe des Romans immer surrealer. Für mich ist das eine Satire auf Sprachwissenschaft, Mathematik, Forschung im Allgemeinen und auf die Sprache im Alltag.

Zeitweise emfand ich es etwas langatmig, vor allem, wenn es in theoretische Abhandlungen der Sprache oder Mathematik abdriftet. Gleichzeitig gibt es immer wieder witzige Einschübe, in denen Hirschl verschiedenste Dinge parodiert. Da geht es einmal um neuartige Medikamente, die alleine durch die Wörter im Beipackzettel wirken, um den riesigen Kreisverkehr in Tokio, in dem sich Menschen verirren, oder um die schwierige Kommunikation mit Aliens. Das alleine könnten schon Kurzgeschichten für sich sein. Der Autor schafft es aber auf wundersame Weise, diese Geschichten immer wieder zusammenzubringen, und genau das hat mich dann doch beeindruckt.

Sprachlich ist Hirschl ein talentierter Schreiber, was man beim Lesen wirklich merkt. Anstrengend wird es dann teilweise trotzdem, eben in den Passagen, die stärker theoretisch werden. Die Figuren sind abstrakt und surreal, was bei einer Satire nicht ungewöhnlich ist. Ich habe mich als Leser*in immer wieder gefragt, wer gerade erzählt und aus welcher Perspektive. Das macht es stellenweise auch verwirrend, aber eben auch interessant, weil dadurch viele verschiedene Bedeutungen möglich sind. Ich habe das Gefühl, dass es noch viel mehr in diesem Roman zu entdecken gibt.

Unterm Strich ist „Schleifen“ für mich ein besonderes Buch. Nicht ganz einfach, aber lohnenswert. Teilweise musste ich mich ermutigen weiterzulesen, es hat mich dann ab der Mitte doch in den Bann gezogen. Am Ende bleibt für mich vor allem die Frage: Wie sieht eine Welt ohne Sprache aus? Wahrlich eine Dystopie.