Fragmentiert

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Beim Lesen von Schleifen hatte ich immer wieder das Gefühl, weniger einen klassischen Roman in der Hand zu haben als ein literarisches Gedankenexperiment. Elias Hirschl erzählt keine geradlinige Geschichte — vielmehr bewegt sich der Text in Schleifen, springt zwischen Ideen, Szenen und Reflexionen und verzichtet bewusst auf eine klare, lineare Handlung. Das kann irritierend sein, wirkt aber zugleich konsequent, weil Form und Inhalt eng miteinander verbunden sind.

Gerade diese experimentelle Struktur hat mich ambivalent zurückgelassen. Einerseits fand ich es spannend, wie der Roman mit Sprache, Wahrnehmung und Denken spielt und immer neue Denkanstöße liefert. Andererseits erschwerte die fragmentierte Erzählweise den Zugang zu Figuren und Handlung, sodass emotionales Mitfiebern oft in den Hintergrund tritt und kein klassischer Spannungsbogen entsteht.

Auch stilistisch verschwimmen die Grenzen: Erzählerische Passagen gehen in essayhafte Überlegungen über, was die zentrale Frage aufwirft, ob Schleifen überhaupt noch als Roman im traditionellen Sinne gelesen werden kann — oder eher als bewusst gestaltetes Gedankenspiel über Sprache und Erkenntnis. Für mich liegt der Reiz genau in dieser Unentschiedenheit, auch wenn sie das Lesen stellenweise recht anstrengend macht.

Zugleich ist Schleifen keine leichte Lektüre für zwischendurch. Der Roman verlangt Konzentration und Bereitschaft, sich auf komplexe Gedankengänge einzulassen, weshalb er meiner Meinung nach eher für erfahrene Leserinnen und Leser geeignet ist als für ein schnelles, unkompliziertes Lesen. Und keine klassische Abendlektüre darstellt. Ich hab es immer mal wieder vorm Schlafen gehen gelesen und gemerkt, dass der Roman sich dafür nicht unbedingt eignet.

Insgesamt habe ich Schleifen als originelle, herausfordernde Lektüre erlebt, die weniger durch Handlung als durch Ideen überzeugt. Wer eine klare Story erwartet, könnte enttäuscht werden — wer jedoch Freude daran hat, sich auf ein experimentelles literarisches Spiel einzulassen, findet hier ein ungewöhnliches Buch.