Leider in absurd-theoretischen Schleifen hängengeblieben …
Die skurrile Grundidee zu Elias Hirschls neuem Roman „Schleifen“ (mein erstes Buch dieses Autors) hatte mich sofort begeistert, da ich Sprachen (und alles was damit zu tun hat) liebe. Auch die Protagonistin fand ich sofort faszinierend - Franziska Denk, ein sprachbegabtes Wunderkind, das beim bloßen Hören einer Krankheit sofort deren reale Symptome entwickelt:
„Ihre Tochter reagiert auf sprachliche Äußerungen, als wären sie real. […] Bei Krankheiten ist es am schlimmsten. Aber es reicht auch schon, dass jemand eine Geschichte über einen Ski-Unfall erzählt. Sie fühlt wochenlang die Schmerzen in ihrem Bein, als hätte sie es sich selbst gebrochen. Ob das in der Familie laufe, fragte Wittgenstein. Nur auf Margarethes Seite, sagte Carl. Es gäbe Gerüchte. Ein Großonkel, vielversprechender Physikstudent in Erlangen, sei kurz vor seinem Abschluss beim Lesen einer Todesanzeige gestorben. Eine Großtante, Ehefrau eines wohlbetuchten Kaufmanns, sei bei lebendigem Leibe, aber ohne Feuer verbrannt, als sie im Wiener Burgtheater einen schockierenden Brandschutzhinweis gelesen habe. Einige Verwandte wurden angeblich mehrfach hospitalisiert, weil sie immer wieder den Fehler machten, die Risiken und Nebenwirkungen ihrer Medikamente zu lesen. Und Margarethes Vater, der angesehene Chef der Wiener Druckerei Denk, zeitlebens symptomfrei, habe eines Tages, als Margarethe noch ein Kind war, eine Zeitung frisch aus der Druckerpresse zur Hand genommen, darauf die Worte ‚Smog in London fordert weitere Todesopfer‘ gelesen und sei daraufhin qualvoll an nichts erstickt. Der Arzt hatte zwar gemeint, es könnte sich auch um eine allergische Reaktion gehandelt haben, doch so genau wisse man das nicht. Margarethes älterer Bruder Adalbert Denk habe daraufhin mit nur neunzehn Jahren den Druckereibetrieb übernommen, hatte laut eigener Aussage noch nie eine von ihm gedruckte Zeitung gelesen und war immer noch bei bester Gesundheit. Auch an Margarethe selbst schien die Krankheit weitestgehend unbemerkt vorübergezogen zu sein. Sie habe lediglich als Kind einige übermäßig empathische Reaktionen auf das Leid ihrer Mitmenschen gezeigt, allerdings nichts Herausragendes, und seit der Pubertät habe sich sogar das gelegt. Generell werfe man in diesem Haushalt jedoch vorsorglich alle Beipackzettel weg, bevor sie jemand lesen konnte.“
Die Geschichte spielt im Wien der 1930er-Jahre rund um den Wiener Kreis. In Otto Mandl, einem genialen Mathematiker, findet die junge Franziska ihren Seelenverwandten. Nachdem Franziska sich mit Wörtern aus toten Sprachen gegen ihr Leiden immunisieren konnte, entwickeln die beiden eine absolute Sprachbesessenheit. Sie forschen mit dem Ziel nach einer „perfekten Sprache“.
Schade, dieses Buch hat mich sehr enttäuscht! Obwohl ich einen sehr guten Zugang zu Sprachen habe, viel lese und auch selbst schreibe, und mich das Buch thematisch sehr interessiert, konnte mich die Umsetzung leider gar nicht begeistern. Die namensgebenden „Schleifen“ waren für mich sehr anstrengend und eher pseudo-wissenschaftliches Geschwurbel. Der Schreibstil ist sehr gewühnungsbedürftig und liest sich arg konstruiert. Das Buch liest sich nicht wie ein flüssiger Roman sondern eher wie eine Aneinanderreihung verwirrender, akademischer Spielereien. Aus diesem Grund habe ich das Buch leider nach etwa der Hälfte abgebrochen – für mich ist es einfach nichts.
Da mich das Buch leider nicht abholen konnte, vergebe ich nur wohlwollende 2 von 5 Sternen für die spannende Grundidee.
Vielen Dank an den Paul Zsolnay Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar! 📚💚
„Ihre Tochter reagiert auf sprachliche Äußerungen, als wären sie real. […] Bei Krankheiten ist es am schlimmsten. Aber es reicht auch schon, dass jemand eine Geschichte über einen Ski-Unfall erzählt. Sie fühlt wochenlang die Schmerzen in ihrem Bein, als hätte sie es sich selbst gebrochen. Ob das in der Familie laufe, fragte Wittgenstein. Nur auf Margarethes Seite, sagte Carl. Es gäbe Gerüchte. Ein Großonkel, vielversprechender Physikstudent in Erlangen, sei kurz vor seinem Abschluss beim Lesen einer Todesanzeige gestorben. Eine Großtante, Ehefrau eines wohlbetuchten Kaufmanns, sei bei lebendigem Leibe, aber ohne Feuer verbrannt, als sie im Wiener Burgtheater einen schockierenden Brandschutzhinweis gelesen habe. Einige Verwandte wurden angeblich mehrfach hospitalisiert, weil sie immer wieder den Fehler machten, die Risiken und Nebenwirkungen ihrer Medikamente zu lesen. Und Margarethes Vater, der angesehene Chef der Wiener Druckerei Denk, zeitlebens symptomfrei, habe eines Tages, als Margarethe noch ein Kind war, eine Zeitung frisch aus der Druckerpresse zur Hand genommen, darauf die Worte ‚Smog in London fordert weitere Todesopfer‘ gelesen und sei daraufhin qualvoll an nichts erstickt. Der Arzt hatte zwar gemeint, es könnte sich auch um eine allergische Reaktion gehandelt haben, doch so genau wisse man das nicht. Margarethes älterer Bruder Adalbert Denk habe daraufhin mit nur neunzehn Jahren den Druckereibetrieb übernommen, hatte laut eigener Aussage noch nie eine von ihm gedruckte Zeitung gelesen und war immer noch bei bester Gesundheit. Auch an Margarethe selbst schien die Krankheit weitestgehend unbemerkt vorübergezogen zu sein. Sie habe lediglich als Kind einige übermäßig empathische Reaktionen auf das Leid ihrer Mitmenschen gezeigt, allerdings nichts Herausragendes, und seit der Pubertät habe sich sogar das gelegt. Generell werfe man in diesem Haushalt jedoch vorsorglich alle Beipackzettel weg, bevor sie jemand lesen konnte.“
Die Geschichte spielt im Wien der 1930er-Jahre rund um den Wiener Kreis. In Otto Mandl, einem genialen Mathematiker, findet die junge Franziska ihren Seelenverwandten. Nachdem Franziska sich mit Wörtern aus toten Sprachen gegen ihr Leiden immunisieren konnte, entwickeln die beiden eine absolute Sprachbesessenheit. Sie forschen mit dem Ziel nach einer „perfekten Sprache“.
Schade, dieses Buch hat mich sehr enttäuscht! Obwohl ich einen sehr guten Zugang zu Sprachen habe, viel lese und auch selbst schreibe, und mich das Buch thematisch sehr interessiert, konnte mich die Umsetzung leider gar nicht begeistern. Die namensgebenden „Schleifen“ waren für mich sehr anstrengend und eher pseudo-wissenschaftliches Geschwurbel. Der Schreibstil ist sehr gewühnungsbedürftig und liest sich arg konstruiert. Das Buch liest sich nicht wie ein flüssiger Roman sondern eher wie eine Aneinanderreihung verwirrender, akademischer Spielereien. Aus diesem Grund habe ich das Buch leider nach etwa der Hälfte abgebrochen – für mich ist es einfach nichts.
Da mich das Buch leider nicht abholen konnte, vergebe ich nur wohlwollende 2 von 5 Sternen für die spannende Grundidee.
Vielen Dank an den Paul Zsolnay Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar! 📚💚