Mehr als nur Worte

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hyakinthos Avatar

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Der Roman „Schleifen“ von Elias Hirschl ist alles andere als konventionell. Ausgehend von der ungewöhnlichen Idee einer jungen Frau, die Krankheiten entwickelt, sobald sie von ihnen hört, entfaltet sich ein ebenso kluges wie radikales Spiel mit Sprache und Denken. Franziska Denk und der Mathematiker Otto Mandl geraten dabei in ein Geflecht aus Sprachsystemen und Gedankenkonstruktionen, das sich zunehmend verselbstständigt.

Was als originelle Prämisse beginnt, weitet sich zu einem vielschichtigen Experiment aus: Sprachwissenschaft, Philosophie und Mathematik überlagern sich, ernsthafte Reflexion steht neben ironischer Brechung. Manche Passagen (insbesondere die mathematischen) fordern Geduld, doch gerade diese intellektuelle Reibung macht den Reiz des Romans aus.

Der Titel ist dabei Programm: Motive kehren wieder, verschieben sich, kreisen umeinander. Es entsteht ein Text, der weniger geradlinig erzählt als vielmehr Denkbewegungen nachzeichnet.

Nicht jede*r Leser*in wird sich auf dieses Spiel einlassen wollen. Doch wer Freude an Sprachreflexion, theoretischen Gedankenspielen und literarischer Grenzüberschreitung hat, wird hier fündig. Ich persönlich habe das Buch als Sprachliebhaber besonders geschätzt; vor allem die Fragen nach der Wirkmacht von Sprache und der Idee einer „perfekten“ Ausdrucksform haben mich nachhaltig beeindruckt.

„Schleifen“ ist eigenwillig und unverkennbar: ein Roman, der nicht alles erklärt, aber lange nachhallt.