Perfekte Sprache

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eurydome Avatar

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Der Roman erzählt die außergewöhnliche Geschichte von Franziska Denk und dem Mathematiker Otto Mandl und stellt dabei Sprache selbst ins Zentrum der Handlung. Franziska wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet an einer ungewöhnlichen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, tritt bei ihr unmittelbar auf. Durch die Beschäftigung mit alten und verlorenen Sprachen lernt sie, sich gegen dieses Leiden zu schützen. In Otto findet sie einen Seelenverwandten, und gemeinsam verfolgen sie über Jahrzehnte die ambitionierte Idee, eine perfekte, eindeutige Sprache zu entwickeln.

Der Roman überzeugt vor allem durch seinen enormen Ideenreichtum. Sprache wird hier nicht nur als Kommunikationsmittel verstanden, sondern als Machtinstrument, Experimentierfeld und beinahe lebendiges System. Besonders spannend ist die Verbindung von Sprachphilosophie, Mathematik, Naturwissenschaft und Literatur. Gleichzeitig fordert das Buch seine Leser stark: Viele philosophische, mathematische und abstrakte Exkurse sowie ausführliche Fußnoten können den Lesefluss bremsen und verlangen hohe Konzentration.

Stilistisch schreibt Elias Hirschl klug, verspielt und sehr anspruchsvoll. Emotional bleibt die Geschichte stellenweise distanziert, und die Protagonistin wirkt mit zunehmender Handlung immer schwerer zugänglich. Dennoch fasziniert der Roman durch seine Originalität, Witz und die intellektuelle Tiefe. Insgesamt finde ich, der Roman ist ein ungewöhnliches, herausforderndes Werk, das Geduld verlangt, aber der Leser wird mit einer einzigartigen Leseerfahrung belohnt.