Stellenweise grandios, insgesamt nicht überzeugend

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Schleifen von Elias Hirschl ist eine Art Metaroman, der ganz viele aktuelle Diskurse rund um die Themen Sprache, Literatur und Realität aufgreift.

Zuallererst eine Info für diejenigen, die das Buch noch vor sich haben: Der Klappentext und die Leseprobe sind meiner Meinung nach sehr irreführend in Bezug auf die Gesamtheit des Werkes. Lest euch lieber ausführlichere Rezensionen durch, wenn ihr wissen wollt, ob das Buch etwas für euch sein könnte.

Zum Inhalt möchte ich gar nicht so viel sagen, weil vermutlich das meiste ein Spoiler wäre. Über drei Teile und etwa vierhundert Seiten hinweg ver- und entwirren sich verschiedenste Erzählstränge so lange, bis man beim Lesen entweder alles oder gar nichts mehr hinterfragt. An der Oberfläche geht es um ein Paar, Franziska und Otto, beides Akademiker:innen (sie Linguistin, er Mathematiker und Logiker). Anhand ihrer Lebensgeschichten, Begegnungen, wissenschaftlichen Erfolge und Interessen sowie dem Diskurs über die beiden entwickelt sich der Roman. Dieser geht dabei nicht besonders gradlinig vor, sondern mäandert, nimmt Umwege und Schleifen. Auf dem Weg werden viele Themen aufgegriffen, die in Gesellschaft und Wissenschaft aktuell kontrovers diskutiert werden, zum Beispiel die Verbindung von Sprache und Realität oder Identität(spolitik).

Was mir gut gefallen hat war, wie selbstironisch das Werk mit vielen Aspekten umgeht und wie clever einige davon angelegt sind. Leider war mir die Umsetzung an manchen Stellen dann einfach zu albern und ab etwa der Hälfte hat das Buch ein bisschen an Reiz verloren.

Der erste Teil hat mich wirklich überzeugt, denn Hirschl schafft es hier, sich in eine Tradition großer Namen einzureihen (mir sind sofort Calvino und Eco eingefallen, aber auch zum Beispiel Auster und Murakami), und doch gleichzeitig einen eigenen Stil zu zeigen. Doch dann hatte ich beim Lesen das Gefühl, er will zu viel und kriegt die Kurve nicht.

Ich finde es sehr schwierig, das Werk mit einer Sternebewertung zu versehen, denn damit kann man ihm nicht gerecht werden und es ist vermutlich auch nicht aussagekräftig für interessierte Leser:innen. Ich würde sagen, wer auf herausfordernde Literatur über die Macht der Sprache steht, es absurd bis albern liebt und gerne eine Vielzahl an Erzählsträngen verfolgt, könnte hieran durchaus Freude haben.