Unvorhersehbar

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_talia_ Avatar

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"Schleifen" war meine erste Begegnung mit Elias Hirschl, aber hoffentlich nicht die letzte. In diesem Roman steckt so unglaublich viel Liebe und Hingabe zur (deutschen) Sprache, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Der Titel des Buches hat mich zunächst verwirrt: Was haben Schleifen mit einem Mädchen zu tun, das alle Krankheitssymptome entwickelt, von denen sie hört oder liest? Doch die Geschichte führt einen schnell auf eine Spur, was der Titel bedeuten könnte.
Worum es in dem Buch geht, ist schwer zu beschreiben. Die (vermeintliche) Protagonistin ist Franziska Denk. Das Mädchen mit der bereits erwähnen seltsamen Krankheit. Aufgrund ihrer Krankheit begreift sie früh, welche Macht die Sprache hat ... und welche Grenzen der Sprache gesetzt sind. In ihr erwacht der Wunsch nach der perfekten Sprache. Ein unerreichbares Ziel?
Der Schreibstil ist eine Mischung aus Sachbuch und experimenteller Prosa. Nie wusste ich, welche Richtung die Geschichte einschlagen wird.
Der Text spielt mit der Sprache und ihren Möglichkeiten. Wer sich also auf ein sprachliches Experiment einlassen möchte, sollte "Schleifen" auf jeden Fall eine Chance geben. Es ist ein geniales Gedankenexperiment, wie sehr die Sprache (oder Abwesenheit von Sprache) uns beeinflusst und unsere Wahrnehmung verändert.