Was habe ich da gelesen?

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maggiepearl Avatar

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Nach ein paar Kapiteln wusste ich: Dieses Buch zu reviewen wird eine Herausforderung. Und jetzt sitze ich hier und es ist genau so gekommen und ich versuche, mein Gedankenwirrwarr zu ordnen. Fest steht: „Schleifen“ ist absolut nicht für jeden was. Aber wer mutig ist, sich auf unkonventionelle Erzählweisen und irrwitzige, fast schon philosophische Gedankenexperimente einlassen kann, und ein gehöriges Interesse für Sprachwissenschaften mitbringt, bitte lest es! Ihr werdet es nicht bereuen.
Mein größter Kritikpunkt vorweg: Der Aufhänger mit den Krankheiten vom
bloßen Hören wird nach ein paar Seiten essenziell irrelevant. Schade, da ich dieses Konzept total faszinierend fand. Aber keine Sorge, mit originellen Ideen bleibt man nicht auf der Strecke.
Der erste Teil spielt viel mit Sprache und ihren Möglichkeiten und Grenzen und ist dabei unerwartet humorvoll. Ich sag nur Tofuverkäufer, der Hamster und Estland. Für mich als Sprachnerd ein Genuss und mein Highlight des Romans. Im ersten Teil könnte noch der Eindruck erweckt werden, dass man es hier mit einer willkürlichen Aneinanderreihung von Kapiteln zu tun hat, aber ich finde, ab der zweiten Hälfte kommt mehr Plot im klassischeren Sinne rein. Allerdings wird man ab da auch ins komplette Chaos gestürzt. Man könnte sagen, das nobverbalistische Manifest nimmt Form an… oder wohl eher: verliert jegliche Form ;) Mein kleines Hirn hat bei diesen gefühlt 45 Meta-Ebenen ein neues Bewusstseinslevel freigeschaltet, glaube ich.
Es ist für mich völlig unfassbar, dass sich ein einzelner Mensch so eine Geschichte ausdenken kann. Ich sag’s, wie’s ist: Elias Hirschl ist für mich ein Genie.
Ich verstehe alle, die „Schleifen“ so gar nichts abgewinnen können, aber für mich war es ein Volltreffer! Das wird nicht mein letzter Roman von Hirschl bleiben.