Wort für Wort

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Der österreichische Autor Elias Hirschl legt mit seinem neuen einfallsreichen Roman „Schleifen“ einen vor sprachlichen Metaebenen sprudelnden Roman vor, der seinesgleichen sucht. Mit einer fantasiereichen Erzählwucht, klugen Reflexionen und einer unvergesslich humorvollen Hommage an die Macht der Sprache – doch was ist erfundener Wahnwitz und was ist wahre Wissenschaft? Seite für Seite fällt der Leser in ein vielschichtiges, verzerrtes Labyrinth voller Einfälle, Unendlichkeit und Schleifen.

Franziska Denk aus dem Wiener Kreis leidet an einer seltenen, aberwitzigen Krankheit: Sobald sie von einer Krankheit hört, entwickelt sie sofort die spezifischen Symptome dazu – nicht nur das Niesen beim Schnupfen, sogar bei Lepra schält sich ihre Haut. Sie wird zur fanatischen Sprachexpertin und möchte eine universelle, perfekte Sprache erfinden – die Freundschaft zu dem logisch denkenden Mathematiker Otto Mandl hilft ihr dabei auf die Sprünge. Zusammen entwickeln sie eine Schnittstelle zwischen Mathematik und Sprache, die zu absurd-komischen Ergebnissen führt. Franziska wird sich später sektenartig radikalisieren, während Otto samt seinen bahnbrechenden Erkenntnissen in Japan verloren geht.

Elias Hirschl konstruiert in „Schleifen“ keine klassische Handlung, sondern ein fragmentarisches Konstrukt aus Ideen verschiedener wissenschaftlicher Bereiche, die er experimentell in Geschichten und Ebenen steckt. Mit unzähligen Quellennachweisen, die selbst noch Geschichten enthalten, macht Hirschl einen Seitenhieb auf den Wissenschaftsbetrieb und brillant versetzt er seine Leser in Staunen: Könnte dieser Einfall über Sprache stimmen? Zudem schreibt Franziska Denk im Roman selbst einen Roman – Elias Hirschl ist seine unbändige Erzählfreude und Spielfreudigkeit mit der Sprache wahrlich anzumerken. „Schleifen“ ist kein einfacher, aber sehr kluger, kreativer und witzig-grotesker Roman, in dem die Sprache pulsiert und lebt.