Düsterer Auftakt mit Biss

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Mich hat der Einstieg vor allem durch seine ungekünstelte Wucht gepackt. Die Szene im Stall verzichtet auf weichgespülten Zauber und wirft einen direkt in ein bedrohliches Szenario mit einer geflügelten Kreatur voller Krallen, verwesten Seelenlosen vor der Tür und einem Schattenfürsten, der sich ohne mit der Wimper zu zucken die eigene Faust in die Brust rammt. Das hat echte Kanten und erzeugt sofort eine dichte, packende Atmosphäre.

Gleichzeitig gefällt mir Yana als Hauptfigur richtig gut. Sie ist keine erhabene Retterin, sondern herrlich zynisch, überfordert und menschlich – wer nach einer Nahtod-Vision erst einmal darüber nachdenkt, sich in die verhasste vanillegelbe Schultasche zu übergeben, bricht jedes theatralische Pathos im Keim ab. Auch der anschließende Schlagabtausch mit ihrer Cousine Becky auf dem Mädchenklo bringt genau das richtige Tempo und den trockenen Humor mit, den eine Geschichte braucht, um trotz schwarzer Seelensteine nicht ins Lächerliche abzudriften.

Ein paar Abstriche muss ich dennoch machen: Dass ausgerechnet Yana die pechschwarze Seele abbekommt, während die brave Cousine mit strahlendem Weiß glänzt, bedient die klassische Außenseiter-Schablone doch ziemlich vorhersehbar. Auch die Beschreibung des finsteren Angreifers als Junge mit „überirdisch schönem Gesicht“ lässt die Alarmglocken für altbekannte Romantasy-Muster schrillen.

Unterm Strich überwiegen für mich aber klar die Neugier und die düstere Grundstimmung. Das raue Setting auf den Outer Islands, das Geheimnis um das Schwingenwesen und eine kratzbürstige Protagonistin liefern genau die Reibung, die mich fesselt. Ich will wissen, was hinter dem Fluch steckt, und würde das Buch daher ohne Zögern zur Hand nehmen.