“Intention reicht nicht”
Das Buchcover mit der selbstbewussten jungen Frau im bordeauxroten Anzug, die direkt in die Kamera blickt, signalisiert sofort: Hier kommt jemand, der nicht beschönigt oder beschönigt werden möchte. Die Bildgestaltung ist provokativ und weiß, was sie tut – genau wie der Text selbst. Der Schreibstil ist einer der größten Stärken dieser Lektüre. Waibel schreibt nicht akademisch distanziert, sondern direkt, ehrlich, manchmal roh. Sie nutzt Umgangssprache, Sarkasmus, „WTF” und „Math is not mathing” – eine Sprache, die sich jung anfühlt, zeitgenössisch, ohne dabei an Kraft oder Intelligenz zu verlieren. Das macht das Buch unglaublich zugänglich, gerade für Lehrkräfte wie mich, die sich oft von theoretischen Ausführungen entfremdet fühlen.
Der Spannungsaufbau funktioniert nicht durch klassische narrative Spannung, sondern durch die zunehmende Klarheit über systemiische Probleme. Waibel startet mit Cyrano – einem Jungen, dessen Lebensrealität systematisch übersehen wird – und öffnet damit die erste Schicht: Wie blind wir für die Voraussetzungen unserer Schüler*innen sind. Dann folgt Schicht um Schicht: Noten, Ressourcen, Privilegien, Rassismus, Sprachverbote. Jedes Kapitel verfestigt den unbequemen Eindruck, dass Schule nicht nur ungleich ist, sondern dass diese Ungleichheit strukturell reproduziert wird – oft von Menschen wie mir, die glauben, es gut zu meinen.
Die Charaktere, die Waibel portraitiert, sind keine fiktiven Personen im klassischen Sinne – es sind reale Schülerinnen und echte Szenen aus dem Schulalltag. Cyrano mit seiner nächtlichen Angst um die Mutter, Amina, die trotz gleicher Bemühung keine Praktikumsstelle bekommt, die Drittklässlerin, die für das Sprechen ihrer Muttersprache bestraft wird. Diese sind nicht erfunden – sie sind Realität. Und genau das macht das Buch so erschreckend und zwingend. Es gibt keine Ficción, hinter die man sich zurückziehen könnte. Es sind die Schülerinnen, die jetzt in meinen Klassenzimmern sitzen.
Was ich von diesem Buch erwarte, ist keine bequeme Lektüre. Ich erwarte, und das Buch liefert es bereits in der Leseprobe, eine radikale Dekonstruktion meiner eigenen blinden Flecken. Waibel verspricht nicht, dass es einfach wird, Lehrkraft zu sein und gleichzeitig rassismuskritisch zu denken. Sie zeigt auf, dass meine guten Absichten nichtig sind, wenn ich die Wirkungen meines Handelns nicht reflektiere. Sie macht deutlich, dass Happyland – dieser Zustand der Unwissenheit, in dem ich lange gelebt habe – kein harmloses Paradies ist, sondern ein Ort, an dem Privilegien unsichtbar bleiben und Strukturen sich selbst schützen.
Ich würde das Buch weiterlesen, weil es mich zwingt, ehrlich mit mir selbst zu werden. Nicht aus Schuldgefühl – das wäre, wie Waibel richtig kritisiert, eine zu oberflächliche Reaktion – sondern aus der Erkenntnis heraus, dass meine Schüler*innen einen besseren Unterricht verdienen, als ich ihm derzeit machen kann, solange ich die Strukturen, in denen ich arbeite, nicht kritisch analysiere. Das Buch verspricht nicht Lösungen im klassischen Sinne, aber es verspricht Klarheit: darüber, was schiefläuft, warum es schiefläuft, und dass Veränderung konkret anfangen muss – bei mir selbst, in meinem Klassenzimmer, mit meiner Haltung. Das ist das Versprechen, das mich weiterlesen lässt. Denn ohne diese radikale Ehrlichkeit, die Waibel vorlebt, bleibt alles, was ich als Lehrkraft tue, ein Teil des Problems statt der Lösung.
Der Spannungsaufbau funktioniert nicht durch klassische narrative Spannung, sondern durch die zunehmende Klarheit über systemiische Probleme. Waibel startet mit Cyrano – einem Jungen, dessen Lebensrealität systematisch übersehen wird – und öffnet damit die erste Schicht: Wie blind wir für die Voraussetzungen unserer Schüler*innen sind. Dann folgt Schicht um Schicht: Noten, Ressourcen, Privilegien, Rassismus, Sprachverbote. Jedes Kapitel verfestigt den unbequemen Eindruck, dass Schule nicht nur ungleich ist, sondern dass diese Ungleichheit strukturell reproduziert wird – oft von Menschen wie mir, die glauben, es gut zu meinen.
Die Charaktere, die Waibel portraitiert, sind keine fiktiven Personen im klassischen Sinne – es sind reale Schülerinnen und echte Szenen aus dem Schulalltag. Cyrano mit seiner nächtlichen Angst um die Mutter, Amina, die trotz gleicher Bemühung keine Praktikumsstelle bekommt, die Drittklässlerin, die für das Sprechen ihrer Muttersprache bestraft wird. Diese sind nicht erfunden – sie sind Realität. Und genau das macht das Buch so erschreckend und zwingend. Es gibt keine Ficción, hinter die man sich zurückziehen könnte. Es sind die Schülerinnen, die jetzt in meinen Klassenzimmern sitzen.
Was ich von diesem Buch erwarte, ist keine bequeme Lektüre. Ich erwarte, und das Buch liefert es bereits in der Leseprobe, eine radikale Dekonstruktion meiner eigenen blinden Flecken. Waibel verspricht nicht, dass es einfach wird, Lehrkraft zu sein und gleichzeitig rassismuskritisch zu denken. Sie zeigt auf, dass meine guten Absichten nichtig sind, wenn ich die Wirkungen meines Handelns nicht reflektiere. Sie macht deutlich, dass Happyland – dieser Zustand der Unwissenheit, in dem ich lange gelebt habe – kein harmloses Paradies ist, sondern ein Ort, an dem Privilegien unsichtbar bleiben und Strukturen sich selbst schützen.
Ich würde das Buch weiterlesen, weil es mich zwingt, ehrlich mit mir selbst zu werden. Nicht aus Schuldgefühl – das wäre, wie Waibel richtig kritisiert, eine zu oberflächliche Reaktion – sondern aus der Erkenntnis heraus, dass meine Schüler*innen einen besseren Unterricht verdienen, als ich ihm derzeit machen kann, solange ich die Strukturen, in denen ich arbeite, nicht kritisch analysiere. Das Buch verspricht nicht Lösungen im klassischen Sinne, aber es verspricht Klarheit: darüber, was schiefläuft, warum es schiefläuft, und dass Veränderung konkret anfangen muss – bei mir selbst, in meinem Klassenzimmer, mit meiner Haltung. Das ist das Versprechen, das mich weiterlesen lässt. Denn ohne diese radikale Ehrlichkeit, die Waibel vorlebt, bleibt alles, was ich als Lehrkraft tue, ein Teil des Problems statt der Lösung.