Die allseits benötigte Selbstreflexion für eine stabile Schule

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madamejana28 Avatar

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Für mich als Lehrkraft ist „Schule, aber stabil“ von Gina Waibel ein Buch, welches von jeder und jedem gelesen werden sollte, die und der sich in der Schule aufhält. Themen wie Adultismus, strukturelle Benachteiligung oder auch offener und weniger offener Rassismus spielen an jeder Schule eine Rolle und dieses Buch regt dazu an, genauer hinzuschauen, eigene Haltungen zu hinterfragen und sich bewusst zu machen, welche Strukturen unseres Schulsystems Kinder benachteiligen können. Selbst, wenn man der Meinung ist, sich bereits intensiv mit den genannten Themen auseinanderzusetzen und sich von solchen Denk- und Handlungsmustern zu distanzieren, lohnt sich die Auseinandersetzung mit den Impulsen des Buches. Denn der Blick auf die Schülerseite gelingt nur dann wirklich, wenn man ihn immer wieder aktiv vornimmt.

Gina Waibel schreibt in direkter und unverblümter Sprache, was sie und andere im Schulalltag erlebt haben. Anhand der lebensnahen Beispiele und eigenen Erfahrungen macht sie dabei deutlich, wie eng unser Schulsystem teilweise geführt ist und an welchen Stellen Kinder dadurch an Grenzen stoßen. Besonders Kinder, die unter erschwerten Lebensbedingungen aufwachsen, können von diesen Strukturen betroffen sein. Dabei bleibt das Buch nicht bei theoretischen Überlegungen stehen, sondern macht deutlich, wie sich solche Mechanismen im schulischen Alltag zeigen können und eben auch, welche praktischen Handlungsmöglichkeiten sich für die Schule daraus ergeben müssen. Gina benennt diese Aspekte klar und fordert immer wieder dazu auf, Haltung zu bewahren und Verantwortung zu übernehmen.

Besonders wertvoll finde ich die Impulsfragen, die sich an die einzelnen Kapitel anschließen und dazu anregen, sich selbst kritisch zu hinterfragen: Welche Vorstellungen bringe ich als Lehrkraft mit? Welche Erfahrungen prägen meinen Blick auf Kinder? Und wie privilegiert ist meine eigene Lebenssituation möglicherweise im Vergleich zu der meiner Schülerinnen und Schüler? Handle ich wirklich im Sinne meiner Schüler? Gerade den Impuls, sich immer wieder die Lebensrealität der Kinder bewusst zu machen und bereit zu sein, dazuzulernen, setzt Gina im Buch immer wieder pointiert ein.

In diesem Buch wird sehr klar verpackt, dass es bei einer stabilen Schule nicht nur um meine persönliche Einstellung geht, sondern dass es vor allem wichtig ist, miteinander ins Gespräch zu gehen. Das kann mitunter unangenehm sein – gerade dann, wenn unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung, Unterricht oder dem Umgang mit Kindern im Lehrerzimmer aufeinandertreffen. Trotzdem ist genau dieser Austausch notwendig, da wir als Lehrkräfte die Verantwortung dafür tragen, dass Schule für alle ein geschützter Raum ist. Für mich ist das Buch deshalb nicht nur eine Auseinandersetzung mit einzelnen problematischen Strukturen im Schulsystem, sondern vor allem eine Einladung zur Selbstreflexion. Es fordert dazu auf, die eigene pädagogische Praxis immer wieder zu hinterfragen, zuzuhören und auch dort Haltung zu zeigen, wo es unbequem wird. Die konkreten Handlungsmöglichkeiten am Ende des Buches, sich zum Beispiel um Demokratiebildung zu bemühen, einen Klassenrat zu organisieren etc., finde ich dafür sehr hilfreich.

Insgesamt kann ich nur empfehlen, „Schule, aber stabil“ zu lesen, offen für die Anregungen zu bleiben und es als Chance zu nutzen, sich selbst, aber auch die schulischen Strukturen um einen herum zu reflektieren.