Werte im Klassenzimmer

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Gina Waibel verfolge ich schon länger auf Instagram, noch aus der Zeit, als sie selbst als Lehrerin gearbeitet hat. Ich habe mitbekommen, wie viel Gegenwind sie für ihre klare Haltung bekommen hat, wie sie angefeindet und beschimpft wurde – und wie sie trotzdem immer wieder den Mund aufgemacht hat. Genau das bewundere ich an ihr. Sie setzt sich für Kinder, für Menschen mit Migrationsgeschichte, für Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe, für Frauen und Alleinerziehende ein und lässt sich auch von massiver Kritik nicht zum Schweigen bringen.
Entsprechend gespannt war ich auf „Schule, aber stabil“ – und ich bin sehr gut in das Buch hineingekommen. Obwohl es sich um ein Sachbuch handelt und die Themen Rassismus, Diskriminierung, Chancengleichheit und Demokratiebildung alles andere als leicht sind, liest es sich erstaunlich zugänglich. Gina Waibel schreibt nicht trocken oder belehrend. Sie erzählt von eigenen Erfahrungen, kommentiert manches mit ihrer ganz persönlichen Art und schafft es zwischendurch sogar, mich zum Schmunzeln zu bringen. Das tut dem ernsten Thema gut.
Besonders wichtig finde ich ihren Blick auf Schule als einen Ort, an dem eben nicht nur Mathematik, Deutsch oder Geschichte vermittelt werden. Kinder verbringen einen großen Teil ihres Lebens dort. Umso wichtiger ist es, dass sie unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder sozialem Hintergrund die gleichen Chancen bekommen und dass Lehrkräfte Diskriminierung erkennen und ihr etwas entgegensetzen.
Schmunzeln musste ich zunächst auch über die Widmung an Friedrich Merz. Auf Instagram hat Gina Waibel erklärt, warum sie sich dafür entschieden hat, nachdem sie wohl mehrfach darauf angesprochen wurde: in der Hoffnung, dass er es vielleicht tatsächlich liest und etwas davon mitnimmt. Ob diese Hoffnung erfüllt wird, bezweifle ich zwar, aber gerade Menschen in politischer Verantwortung für Bildung sollten dieses Buch lesen.
Und genau da liegt für mich auch ein etwas trauriger Punkt: Vermutlich werden ausgerechnet diejenigen, die von manchen Gedanken dieses Buches besonders profitieren könnten, gar nicht danach greifen. Dabei denke ich weniger an überzeugte Extremisten als an Menschen, die aus Frust oder Protest wählen und sich vielleicht noch nie näher damit beschäftigt haben, was bestimmte politische Aussagen für den Alltag von Kindern und Jugendlichen bedeuten können.
Für Lehrkräfte würde ich „Schule, aber stabil“ beinahe zur Pflichtlektüre erklären. Aber auch Eltern, Menschen aus dem Bildungsbereich und politische Entscheidungsträger können viel daraus mitnehmen. Ich werde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen – auch ganz konkret an Lehrerinnen und Lehrer, die ich kenne.
Ein engagiertes, persönliches und gleichzeitig wichtiges Sachbuch über Schule, Diskriminierung und Demokratie. Für mich ganz klar 5 Sterne.