Sonnenduft und der Einbruch der Welt

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Das Buchcover wirkt durch die Darstellung von drei Jugendlichen an einem sommerlichen Strand unter einem strahlend blauen Meer einladend und fängt die sommerliche Stimmung der 70er Jahre gut ein.

Der Schreibstil hat mich durch seine nostalgische und präzise Beobachtungsgabe beeindruckt. Die detaillierte Beschreibung des „Sonnenduftes“, der sich aus chemischen Gerüchen wie Plastik, Gummi und Sonnencreme zusammensetzt, macht die Erinnerungen des Erzählers Gigio fast physisch spürbar.

Der Spannungsaufbau in der Leseprobe ist meisterhaft, da er den Kontrast zwischen einer „sicheren Kindheit“ und dem plötzlichen Einbruch der grausamen Realität nutzt. Während die Geschichte mit sommerlicher Unbeschwertheit beginnt, wird diese durch die Erwähnung des Mordes an Astels Vater und des Olympia-Attentats in München jäh unterbrochen. Dieser Hinweis auf eine kommende „Katastrophe“, die das Leben des zwölfjährigen Gigio unwiderruflich verändern wird, erzeugt einen starken Sog.

Die bisher vorgestellten Charaktere wirken lebendig und authentisch:

• Gigio, der Erzähler, steckt mitten in der Pubertät, kämpft mit seinen neuen Locken und entdeckt neugierig die Welt der Erwachsenen.

• Sein Vater wird als charmanter „Dilettant“ mit einer ansteckenden Lebensfreude und einer Leidenschaft für das Segeln beschrieben.

• Die Mutter bleibt durch ihre irische Herkunft, ihre Schönheit und ihr geheimnisvolles Verhalten – wie das heimliche Essen von Marrons glacés – eine faszinierende Figur.

• Astel wird als belesene und prägende Protagonistin eingeführt, deren Ankunft Gigios Welt verändert.

Ich erwarte von der Geschichte eine tiefgründige Coming-of-Age-Erzählung, die den schmerzhaften Verlust der Kindheit und die Unfähigkeit von Eltern, ihre Kinder vor der „lodernden Welt“ zu schützen, thematisiert. Ich würde das Buch gerne weiterlesen, weil mich interessiert, wie die persönlichen Erlebnisse der Jugendlichen mit den weltpolitischen Ereignissen des Jahres 1972 verknüpft werden und wie Gigio lernt, die „Scherben“ seines Lebens wieder zusammenzusetzen.