Warm und melancholisch-traurig.
Schon in der Leseprobe zu Schwarzer September hat mich Veronesis ruhiger, zugleich sehr sinnlicher Schreibstil beeindruckt, der die ligurische Sommeratmosphäre der frühen siebziger Jahre mit wenigen Bildern lebendig macht. Ich habe diese ersten Seiten als warm und einladend erlebt – geprägt von Ferienalltag, Musik, Gesprächen und der neugierigen Perspektive des zwölfjährigen Gigio –, und doch schwingt bereits eine leise Melancholie mit, als wäre dieser Sommer von Anfang an von einem späteren Verlust her erinnert. Aus dem Hintergrundwissen über den Roman weiß ich, dass Veronesi diese intime Coming-of-Age-Situation mit realen Ereignissen wie der Schach-WM und den Olympischen Spielen 1972 verbindet und schließlich die Terroranschläge der Gruppe „Schwarzer September“ in München eine entscheidende Rolle spielen, sodass die kindliche Welt zunehmend von der politischen Realität durchdrungen wird. Für mich liegt der Reiz gerade in dieser Mischung: Die Leseprobe verspricht eine nostalgisch dichte, emotional warme Geschichte, die sich – auch im Wissen um das historische Setting – in etwas Dunkleres, Traurigeres verwandeln dürfte, ohne die zarte, beinahe filmische Spannung der Erinnerung zu verlieren.