Zwischen Strand, Schuld und Erwachsenwerden - Der Moment, in dem die Welt Risse bekommt

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debby1309 Avatar

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Die Leseprobe zu Sandro Veronesis Schwarzer September überzeugt durch ihre ruhige Intensität und eine Sprache, die sofort Atmosphäre schafft. Aus der Perspektive eines Zwölfjährigen erzählt, entsteht ein fein beobachtetes Bild von Kindheit, familiärer Geborgenheit und ersten, kaum begreifbaren Erschütterungen.

Besonders eindrücklich ist die sinnliche Erzählweise: Gerüche, Haare, Musik und kleine Alltagsbeobachtungen verleihen dem Text eine große Nähe und Glaubwürdigkeit. Veronesi gelingt es, das Erleben eines Kindes ernst zu nehmen, ohne es zu verniedlichen. Die Gedanken des Erzählers wirken tastend, manchmal abschweifend, und genau darin authentisch.

Schon in der Leseprobe wird spürbar, dass sich unter der scheinbar sorglosen Sommerwelt etwas Dunkleres zusammenzieht. Private Erfahrungen und historische Andeutungen stehen nebeneinander, ohne sich aufzudrängen, und erzeugen eine leise Spannung, die neugierig auf den weiteren Verlauf macht.

Schwarzer September verspricht ein stilles, literarisch anspruchsvolles Buch über das Ende der Unschuld zu werden – getragen von einer starken Erzählerstimme und einem feinen Gespür für Zwischentöne.