Die heiteren Spiele sind am Ende

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„Schwarzer September“ des renommierten, allerdings hierzulande wenig bekannten italienischen Autors Sandro Veronesi, ist ein Coming-of-Age-Roman, bei dem der zwölfjährige Ich-Erzähler Gigio im Mittelpunkt steht, der später im Alter die Ereignisse des Sommers 1972 reflektiert.
Die gutbetuchte Familie, Vater ist Strafverteidiger und Mutter eine rothaarige irische Schönheit, verbringt ihre Sommerferien wie jedes Jahr an der Küste und der tägliche Gang zum Meer strukturiert den Tag. Dort erlebt der Junge seine erste Liebe zu Astel, einer Tochter aus reichem Haus, mit der er viele Stunden verbringt, bevor das Schicksal sie trennt.

Immer wieder werden geheimnisvolle Vorausdeutungen gemacht, der Erzähler berichtet, die Geschichte nähme eine andere Wendung, sie nähme nun Fahrt auf, etwas Schreckliches passiere, das alles verändern sollte. Diese Andeutungen wecken selbstredend die Neugierde des Lesers, der sich allerdings noch gedulden muss, bis tatsächlich die Katastrophen eintreten und das Leben verändern.
Es gibt immer wieder Zeitsprünge, so z.B. ins Jahr 1999 und der Erzähler ist mit seiner Frau Emma und seinen beiden Kindern selbst im Urlaub an der Küste in Großbritannien und ein fatales Unglück passiert, Emma wird Zeugin eines Unfalls, bei dem ein kleiner Junge im Sand ums Leben kommt. Diese Ereignisse werfen immer wieder ihre Schatten auf das Geschehen, die Sorglosigkeit der Sommerferien werden sowohl in der Kindheit als auch im Erwachsenenalter durch Tod und Schrecken unterbrochen.

Schmerzhafte Erinnerungen sind das Zentrum des Romans, gepaart mit Sorglosigkeit und Naivität, es gibt das Vorher und Nachher und gemeinsam sind sie für die Entwicklung des Protagonisten verantwortlich. Die Liebe zur Literatur und zur Musik bilden weitere Säulen, immer wieder durchziehen sie die Handlung und eine Bücher- und Songliste im Anhang bereichert den Roman – von Roxy Music über David Bowie bis zu Cat Stevens bilden sie den Soundtrack zum Roman.
Ein langsamer Roman, bei dem der Leser Geduld braucht, dann aber auch mit einem intensiven Leseerlebnis belohnt wird. Reminiszenzen durchziehen große Teile der Handlung, detailliert werden eher nebensächliche Einzelheiten beschrieben, die allerdings zur atmosphärischen Dichte beitragen und nach und nach einen eigenen Sog ausüben.