Die Seifenblase der Kindheit

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amalia Avatar

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Der 12-jähreige Gigio wächst in den 70er Jahren behütet in der Nähe von Florenz auf. Mit seiner kleinen Schwester Gilda und seinen Eltern verbringt er die langen heißen Sommer am Meer. Sommer aus Plastik mit dem Geruch nach Sonnenmilch und den Freunden vom letzten Jahr. Doch 1972 ist anders – und das in vielerlei Hinsicht. Erst erhält er zu seinem Geburtstag ein Plattenspieler (ein Erwachsenengeschenk, das Erwachsenengeräusche macht) dann wird der Sommer durch die dermatologischen Behandlungen der Schwester um einige Woche verzögert und schließlich segelt der Vater mit Gigio Manöver, die letztes Jahr noch zu gefährlich waren. Der Sommer 1972 sollte vieles ins Wanken bringen, das vorher überschaubar war.
Mir hat die Lektüre von Sandro Veronesi „Schwarzer September“ sehr gut gefallen. Die Beobachtungen, wie sie nur ein Kind machen kann, der Geruch des Pinienwäldchens und die Retrospektive Einordnung des Erwachsenen Ich-Erzählers waren wundervoll charmant geschrieben. Ich fühlte mich sofort in die Szenen der 70er Jahre versetzt, die ich selbst nur aus Erzählungen meiner eigenen Eltern und Großeltern kenne.
Der Vater, ansteckend begeisterungsfähig, etwas naiv; die irische Mutter, bescheiden und wunderschön; Gilda, die kleine Schwester, klug und verletzlich. Astel, die erste Liebe… zärtliche Erinnerungen an eine vergangene Kindheit, rührend geschrieben – eine tolle literarische Erzählung.