Dramatische Sommerferien - anschaulich und detailliert festgehalten.

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Das Cover zeigt die Hauptperson am sommerlichen Strand der Toskana dreifach in verschiedener Position liegend, wirkt aber visuell nicht sehr ansprechend. Dagegen passt der Buchtitel in zweifacher Hinsicht gut: erstens die Familienverhältnisse betreffend, zweitens den Anschlag der Terrorgruppe »Schwarzer September« während den Olympischen Spielen in München im Sommer 1972 betonend. Der Ich-Erzähler Gigio Bellandi, zweisprachig aufgewachsen, konzentriert sich detailliert auf einen finsteren Familien-Sommeraufenthalt in Fiumetto an der ligurischen Küste. Er beschreibt sich als einen zwölfjährigen Dorfjungen, vergraben in Sportalben, Fan von Juve, Bitossi und Ferrari und von allen anderen Sportarten, außer Haus unsichtbar und unfähig, seine Gefühle mit anderen zu teilen. Die Haut-Problematik von Rutilismus, wie bei seiner rothaarigen, irischen Mutter und Schwester vorhanden, wird eingehend beschrieben. Ebenso wird die Rolle des Vaters, Rechtsanwalt und Hobbysegler, zwischen seiner Berufstätigkeit und Familienfreizeit erwähnt.
Im zweiten Teil taucht dann in Gigios Sommerferien die veränderte, belesene, 13-jährige Astel Rimondi auf, vertieft mit ihr nicht nur ihre Englischkenntnisse anhand von Songtexten damaliger Popsänger am Strand und in ihrem luxuriösen Zuhause. Die zarten Bande dieser zwei Pubertierenden, durch die Ermordung von Astels Vater abrupt gestoppt, werden aus Gigios Sicht einfühlsam beschrieben. Die Sommerferien 1972 enden dramatisch und schlagartig nicht nur für alle Familienmitglieder, sondern auch für alle Olympioniken.
Der Schreibstil wendet sich an den Lesenden wie in einem Monolog. Gigio spricht besonders im Epilog inmitten des Olivenhains die Vorstellungskräfte des Lesenden an. Minutiös sind namhafte Sportler der damaligen Sportszene recherchiert worden, zu ausführlich ausgeführt vielleicht für sportlich Desinteressierte. Das italienische Ambiente einer bis dahin behüteten Kindheit wird angenehm eingefangen.