ein ruhiger, nachdenklicher Roman

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
emmamarie Avatar

Von

„Schwarzer September“ von Sandro Veronesi ist kein klassischer Spannungsroman, obwohl ein Mord und ein historisches Attentat eine wichtige Rolle spielen. Vielmehr erzählt das Buch eine leise, sehr atmosphärische Geschichte über das Erwachsenwerden, über erste Gefühle und über eine Zeit, in der sich persönliche Erlebnisse und große Weltgeschichte plötzlich überschneiden.

Schon das Cover hat mir gut gefallen: Es wirkt sommerlich und nostalgisch und passt damit perfekt zur Stimmung des Romans. Die Handlung spielt an der ligurischen Küste Anfang der 1970er Jahre und wird aus der Perspektive des jungen Gigio erzählt. Sein eigentlich unbeschwerter Sommer verändert sich, als er Astel kennenlernt – ein Mädchen, das ihn fasziniert und gleichzeitig mit einer tragischen Familiengeschichte konfrontiert. Parallel dazu werfen reale historische Ereignisse, wie die Olympischen Spiele in München, einen immer dunkleren Schatten auf die Geschichte.

Was mir besonders gefallen hat, ist der Schreibstil von Veronesi. Er schreibt ruhig, detailreich und sehr atmosphärisch. Die Beschreibungen von Strand, Musik und der Stimmung der 1970er Jahre sind so lebendig, dass man sich leicht in diese Zeit hineinversetzen kann. Gleichzeitig ist das Tempo manchmal eher langsam. Einige Passagen wirken etwas ausgedehnt, wodurch die Spannung gelegentlich nachlässt.

Die Figuren sind dafür umso überzeugender. Besonders Gigio wirkt glaubwürdig in seiner Mischung aus kindlicher Neugier, Unsicherheit und ersten ernsthaften Gedanken über die Welt. Auch Astel bleibt lange geheimnisvoll und interessant, ohne dass sie zu klischeehaft wirkt.

„Schwarzer September“ ist ein ruhiger, literarischer Roman über Erinnerung, Jugend und die Verbindung zwischen persönlichem Leben und Weltgeschichte. Trotz kleiner Längen hat mich das Buch durch seine Atmosphäre und seine sensiblen Figuren überzeugt.