Ereignisreicher Sommer, der zu monoton erzählt wird

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sarahjanebooks Avatar

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Dass ich nach der Zusammenfassung etwas ganz anderes erwartet hätte, will ich gar nicht zugrunde legen: Der Mord nimmt wenig Platz ein und auch, dass die Angeklagte eine Schwarze ist, spielt für die Handlung selbst keine Rolle und wird nur am Rande von Gigios Mutter erwähnt. Da hatte ich sehr viel mehr erwartet - wie war die Stimmung in Italien in den 1970ern, z.B. Das gleiche gilt für den Terroranschlag am Rande der Olympischen Spiele in München. Der wird auch nur mal erwähnt und geht unter in der Erzählung, weil für den begeisterten Sportfan Gigio die Wettkämpfe, genau wie die Tour de France, Formel 1 oder Schach im Vordergrund stehen. Das mag alles seine Berechtigung haben, aber die Zielgruppe verkleinert sich damit automatisch auf diejenigen, die diese Ereignisse miterlebt haben (und sich dafür begeisterten) und so in Nostalgie versinken können. Ohne jegliche Projektionsfläche, um die Ereignisse damals abstrahieren zu können oder Identifikationsfiguren, fand ich die Schilderungen sehr langweilig.

Dazu schreibt der Autor auch bewusst detailliert, so dass die Handlung kaum ins Rollen kommt - später fragte ich mich allerdings, was die Handlung eigentlich sein sollte. Gefallen hat mir tatsächlich auch die unregelmäßige Ansprache der Lesenden, wobei das fast wirkte wie die Erinnerung des Erzählers, dass es Lesende gibt und er sie wieder zu sich holen wollte, wenn er sich zu bewusst wird, dass er einen Monolog gehalten hat ohne jegliche Rücksicht auf Interessen oder Aufmerksamkeitsspanne der Lesenden/Zuhörer.

Für mich war Schwarzer September ein weiterer Coming-of-Age-Roman, der sich vor allem um sich selbst dreht.