Ich hatte mehr erwartet

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madame—rivkele Avatar

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Gigio ist zwölf Jahre alt und erlebt den Übergang von Kind zu etwas, was noch nicht definiert ist. Auf einmal kräuseln sich seine Haare und die nackten Frauen in den Heften des Friseur üben eine unbekannte Anziehung auf ihn aus. Mit Astel lernt er auch die erste Liebe kennen - bestehend aus dem gemeinsamen Übersetzen der Lieder von Bowie und heimlichen Küssen am Strand. Doch dann, im September 1972 geschehen zwei Unglücke: eines, das die ganze Welt den Atem anhalten lässt und ein anderes, das Gigios und Astels Leben aus der Bahn wirft.

Sandro Veronesi gelingt es, selbst jemanden, der nach 1972 geboren ist, die den Geruch des Plastiks, der überall herrschte und die allgemeine Hochstimmung der Olympischen Spiele in Erinnerung zu rufen. Seine Sprache ist bildhaft und eindringlich und gut zu lesen. Zum Glück, denn die Geschichte hat nicht ganz gehalten, was ich mir von ihr versprochen habe. Da bereits im Klappentext der Mord an Astels Vater erwähnt wird, habe ich ab der ersten Seite damit gerechnet und dachte, es mit einer Art Krimi zu tun zu haben, in dem es um die Aufklärung des Mordfalls geht.
Stattdessen habe ich eine coming of age Geschichte gelesen, die mir zwar in gewisser Weise gefallen hat, weil Veronesi eben wirklich gut Situationen und Gefühle beschreiben kann, bei der mir dann aber trotzdem irgendwas gefehlt hat.

Es ist kein schlechtes Buch. Ich glaube nur, dass ich nicht die Zielgruppe dafür bin.