Langatmig

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Eine Kindheit im Italien der 70er Jahre, erzählt von einem italienischen Autor – das hat sich für mich per se nach einem sehr vielversprechenden und atmosphärischen Roman angehört. Doch leider hat mich die Lektüre ernüchtert zurückgelassen.
Schon gleich zu Beginn wird man mit dem, was für mich letztendlich das Lesen so mühsam gemacht hat, bombardiert: endlos erscheinenden, verschachtelten Sätzen, die detailgenau Begebenheiten beschreiben, welche mich nicht wirklich interessiert haben. So geht es zum Beispiel oft um Sportereignisse, Sportler und Sport, was mir persönlich im Verhältnis viel zu viel Raum einnahm und dadurch das Lesen sehr zäh gemacht hat. Natürlich spiegelt das das Lebensgefühl des 12-jährigen Gigio wider, aber meiner Meinung nach kam dafür das, was einen guten Roman für mich ausmacht – in ein Land, eine Kultur, eine Handlung emotional einzutauchen – zu kurz und hat die eigentliche Handlung überlagert. Gute zwei Drittel des Romans ergehen sich in Andeutungen der bevorstehenden wichtigen Ereignisse, nur um dann immer wieder neue langatmige Details hervorzubringen. Als dann gegen Ende die zuvor angekündigten Ereignisse eingetreten sind, wurden sie für meinen Geschmack viel zu schnell und zu oberflächlich abgehandelt. Mir haben vor allem die Tiefe und eine gewisse Reflektion gefehlt. Das Erzählte erschien mir emotionslos. Auch der Sinn des Epilogs hat sich mir nicht erschlossen.
Obwohl mir „Der Kolibri“ von Sandro Veronesi sehr gut gefallen hat, konnte mich dieser Roman nicht überzeugen, was vor allem am ausufernden Schreibstil lag, der in diesem Kontext das Lesen mühsam gemacht hat.