Nostalgische Zeitreise

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Der Premio Strega-Preisträger und italienische Autor Sandro Veronesi entführt in seinem neuen atmosphärischen Roman „Schwarzer September“ in das Italien der 1970er-Jahre und zurück in die Kindheit seines Ich-Erzählers.

Der 12-jährige Gigio steht auf dem Scheideweg zwischen Kindsein und Adoleszenz, verbringt mit seinen Eltern schöne Urlaube am Meer von Fiumetto und erfährt seine erste Liebe mit Astel – doch es dringen düstere Momente in die unbeschwerte Kulisse von Sonnenduft und Pinienwäldern. Ein Junge wird entführt und ermordet, was politische Kreise zieht, und am Ende des Romans wird noch jemand sterben. Nostalgisch und melancholisch sowie mit vielen Liedern und Filmen zeichnet Veronesi mit zahlreichen Anekdoten und kleinen Geschichten das Erwachsenwerden eines Jungen nach, der aus dem Behüteten auch die dunklen Seiten der Welt entdeckt und einordnen muss. Viele sportliche Ereignisse aus der Formel 1, dem Schach oder den tragischen Olympischen Spielen von 1972 fließen in die feinfühlig und präzise geschriebene Geschichte mitein.

Veronesis Ich-Erzähler beschreibt die Ereignisse mit vielen bildhaft-sinnlichen Details und Momentaufnahmen als circa 60jähriger, der zurück auf sein junges Ich mit noch kindlich-naiven Blick schaut und die Leser auch direkt anspricht – immer auf der Suche nach dem Zeitpunkt des Schmerzes und Kipppunkt in seinem Leben und der perfekten Erinnerung sowie passenden Erzählweise dessen. So schwebt über den bewegenden und eindringlichen Schilderungen der Kindheit eine latente Spannung – was wird noch passieren? Und am Ende punktet der lesenswerte Roman weniger von packenden Ereignissen als mit seinen klaren und sehr menschlichen Einblicken in eine seelisches Innenleben vor einer tiefgreifenden Neudefinition.