Prägender Sommer

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paulamarie Avatar

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Der Roman „Schwarzer September“ von Sandro Veronesi hat mich bereits beim ersten Blick auf das Cover neugierig gemacht. Die sommerliche Strandkulisse vermittelt sofort ein Gefühl von Wärme, Ferien und scheinbarer Leichtigkeit. Gleichzeitig deutet der Titel an, dass sich hinter dieser sommerlichen Atmosphäre auch dunklere Ereignisse verbergen. Diese Mischung aus Unbeschwertheit und unterschwelliger Spannung hat meine Erwartungen an das Buch deutlich erhöht.

Die Handlung führt den Leser nach Italien in den Sommer des Jahres 1972. Im Mittelpunkt steht der junge Gigio, der wie jedes Jahr mit seiner Familie die Ferien am Meer verbringt. Doch dieser Sommer wird für ihn anders sein als alle zuvor. Zwischen langen Tagen am Strand, Musik aus seinem ersten Plattenspieler und den großen Sportereignissen jener Zeit beginnt Gigio, die Welt und sich selbst neu wahrzunehmen. Besonders prägend ist seine Begegnung mit Astel, dem Mädchen aus der benachbarten Strandkabine. Mit ihr erlebt er die Unsicherheiten der ersten Liebe und die Aufregung des Erwachsenwerdens.

Der Roman verbindet diese persönliche Geschichte geschickt mit realen historischen Ereignissen, vor allem mit den dramatischen Geschehnissen rund um die Munich Olympic massacre während der 1972 Summer Olympics. Dadurch bekommt die Handlung eine zusätzliche Ebene: Während Gigio seine Kindheit hinter sich lässt, verändert sich auch die Welt um ihn herum. Die scheinbar sorglose Sommerstimmung wird zunehmend von ernsteren Themen überschattet.

Besonders gelungen fand ich die atmosphärischen Beschreibungen des Autors. Man spürt förmlich die Hitze des italienischen Sommers, riecht das Meer und hört die Musik aus den siebziger Jahren. Der Schreibstil ist detailreich und teilweise sehr poetisch, was der Geschichte viel Tiefe verleiht. Allerdings nimmt sich Veronesi viel Zeit für Abschweifungen und Erinnerungen, wodurch der Erzählfluss gelegentlich etwas langsamer wirkt.

Insgesamt ist „Schwarzer September“ kein klassischer Sommerroman, sondern ein sensibles Coming-of-Age-Porträt über das Ende der Kindheit. Wer ruhige, atmosphärische Geschichten mit historischem Hintergrund mag, wird an diesem Buch sicherlich Gefallen finden.