Sehr atmosphärisch
Sommer 1972 in Fiumetto (Ligurien)
Der zwölfjährige Gigio ist mit seinen Eltern am Meer. Seine Mama ist eine Erscheinung mit ihrem roten Haar, den smaragdgrünen Augen und den Sommersprossen auf magnolienweißer Haut. Ihre Schönheit ist in Irland verwurzelt. Mit elf Jahren kam sie aus einem verrufenen Stadtteil Dublins mit ihren Eltern nach Italien.
Sein Vater war nicht minder schön. Er trug pechschwarzes Haar zu einer hageren Gestalt mit muskulösen Armen. Er war von sorglosem Gemüt, das an Oberflächlichkeit grenzte, ihn aber von innen strahlen ließ. Er hatte eine kleine Anwaltskanzlei in Vinci und eine größere in Florenz und arbeitete viel. Deswegen fuhr er immer wieder nach Vinci oder Florenz, war aber am Wochenende wieder bei ihnen am Strand, wo er seiner größten Leidenschaft frönte, dem Segeln. Kaum war er zurück, packte er mit größtem Eifer Gigio ins Auto und sie fuhren zur alten Tivatú, um das Meer zu erobern.
Es geschah auch in Fiumetto bei Renzo, dem Friseur, der Gigios Lockenpracht bändigte. Gigio hatte beobachtet, wie die Männer, die zu Renzo kamen, an seiner Ladentheke herumscharwenzelten und wie Renzo unter die Kasse griff und ein paar Heftchen verteilte. Dann kam der Tag, auf den er nur gewartet hatte. Renzo wurde zu seinem Auto gerufen, das im Halteverbot stand und Gigio schlich hinter die Theke und griff nach einem Heftchen, schlug es auf und schluckte. Er sah Frauen fast ohne Kleidung und es waren schöne Frauen. Doch als plötzlich die Tür aufging und Renzo eintrat, flüchtete Gigio mit puterrotem Kopf und beschloss, dass seine Locken in Ordnung waren. Fortan mied er den Salon.
Fazit: Der Premio Strega-Preisträger Sandro Veronesi hat sich in diesem Buch einer Coming -of- Age Erzählung gewidmet. Sein Protagonist ist ein ganz normaler Teenager, der Musik und Sportler liebt. Eher aus Achtung vor seinem Vater, als aus eigenem Interesse geht er mit ihm segeln. Doch dann trifft er die dreizehnjährige Astel wieder, die sich innerhalb eines Jahres äußerlich sehr verändert hat. Astels Mutter stammt aus Äthiopien, ihr Vater ist ein steinreicher, feister Marmorhersteller aus Italien. Astel möchte ihr Englisch intensivieren und bittet Gigio um Hilfe. Gigio taucht in eine völlig neue Welt ein und verliebt sich intensiv in Astel. Gigios vorherige Interessen schwinden und machen Platz für seinen Augenstern. Währenddessen kommt es zu seltsamen Verwicklungen im Leben der Erwachsenen, die man ihm gerne vorenthalten würde, doch Gigio weiß sich zu helfen, indem er sie belauscht. Der Roman liest sich wie ein Italienurlaub. Ich spüre während des Lesens die romanische Sprachmelodie, höre die flatternden Segel auf dem Mittelmeer, rieche die Sonnencreme, spüre die Gischt im Gesicht, schmecke die Pizza und den Rotwein. Sonne auf der Haut, Sand zwischen den Pobacken und Liebe im Herzen. Sandro Veronesi schreibt sehr atmosphärisch und er bedient sich verschiedener Schreibstile. Der erwachsene Protagonist blickt zurück, erinnert sich und klingt ein bisschen wie der Erzähler im Buch „Der Name der Rose“. Er baut Spannung auf, indem er mögliche Ereignisse vorwegnimmt (das war die letzte Fahrt auf der Tivatú mit meinem Vater) das macht neugierig auf das Warum? (passiert ihm was?) Er greift den Zeitgeist auf und thematisiert die Olympiade von 1972 in München und die Terrororganisation „Schwarzer September“, er zeigt, dass es in Italien keine Schwarzen gab und den Rassismus, der Astels und Gigios Müttern entgegenschlug, weil sie anders aussahen. Und er hat mir das Wesen eines Jungen nahegebracht. Es waren eine Menge Informationen über Sport, Schach und das Segeln, doch das verzeihe ich gerne.
Der zwölfjährige Gigio ist mit seinen Eltern am Meer. Seine Mama ist eine Erscheinung mit ihrem roten Haar, den smaragdgrünen Augen und den Sommersprossen auf magnolienweißer Haut. Ihre Schönheit ist in Irland verwurzelt. Mit elf Jahren kam sie aus einem verrufenen Stadtteil Dublins mit ihren Eltern nach Italien.
Sein Vater war nicht minder schön. Er trug pechschwarzes Haar zu einer hageren Gestalt mit muskulösen Armen. Er war von sorglosem Gemüt, das an Oberflächlichkeit grenzte, ihn aber von innen strahlen ließ. Er hatte eine kleine Anwaltskanzlei in Vinci und eine größere in Florenz und arbeitete viel. Deswegen fuhr er immer wieder nach Vinci oder Florenz, war aber am Wochenende wieder bei ihnen am Strand, wo er seiner größten Leidenschaft frönte, dem Segeln. Kaum war er zurück, packte er mit größtem Eifer Gigio ins Auto und sie fuhren zur alten Tivatú, um das Meer zu erobern.
Es geschah auch in Fiumetto bei Renzo, dem Friseur, der Gigios Lockenpracht bändigte. Gigio hatte beobachtet, wie die Männer, die zu Renzo kamen, an seiner Ladentheke herumscharwenzelten und wie Renzo unter die Kasse griff und ein paar Heftchen verteilte. Dann kam der Tag, auf den er nur gewartet hatte. Renzo wurde zu seinem Auto gerufen, das im Halteverbot stand und Gigio schlich hinter die Theke und griff nach einem Heftchen, schlug es auf und schluckte. Er sah Frauen fast ohne Kleidung und es waren schöne Frauen. Doch als plötzlich die Tür aufging und Renzo eintrat, flüchtete Gigio mit puterrotem Kopf und beschloss, dass seine Locken in Ordnung waren. Fortan mied er den Salon.
Fazit: Der Premio Strega-Preisträger Sandro Veronesi hat sich in diesem Buch einer Coming -of- Age Erzählung gewidmet. Sein Protagonist ist ein ganz normaler Teenager, der Musik und Sportler liebt. Eher aus Achtung vor seinem Vater, als aus eigenem Interesse geht er mit ihm segeln. Doch dann trifft er die dreizehnjährige Astel wieder, die sich innerhalb eines Jahres äußerlich sehr verändert hat. Astels Mutter stammt aus Äthiopien, ihr Vater ist ein steinreicher, feister Marmorhersteller aus Italien. Astel möchte ihr Englisch intensivieren und bittet Gigio um Hilfe. Gigio taucht in eine völlig neue Welt ein und verliebt sich intensiv in Astel. Gigios vorherige Interessen schwinden und machen Platz für seinen Augenstern. Währenddessen kommt es zu seltsamen Verwicklungen im Leben der Erwachsenen, die man ihm gerne vorenthalten würde, doch Gigio weiß sich zu helfen, indem er sie belauscht. Der Roman liest sich wie ein Italienurlaub. Ich spüre während des Lesens die romanische Sprachmelodie, höre die flatternden Segel auf dem Mittelmeer, rieche die Sonnencreme, spüre die Gischt im Gesicht, schmecke die Pizza und den Rotwein. Sonne auf der Haut, Sand zwischen den Pobacken und Liebe im Herzen. Sandro Veronesi schreibt sehr atmosphärisch und er bedient sich verschiedener Schreibstile. Der erwachsene Protagonist blickt zurück, erinnert sich und klingt ein bisschen wie der Erzähler im Buch „Der Name der Rose“. Er baut Spannung auf, indem er mögliche Ereignisse vorwegnimmt (das war die letzte Fahrt auf der Tivatú mit meinem Vater) das macht neugierig auf das Warum? (passiert ihm was?) Er greift den Zeitgeist auf und thematisiert die Olympiade von 1972 in München und die Terrororganisation „Schwarzer September“, er zeigt, dass es in Italien keine Schwarzen gab und den Rassismus, der Astels und Gigios Müttern entgegenschlug, weil sie anders aussahen. Und er hat mir das Wesen eines Jungen nahegebracht. Es waren eine Menge Informationen über Sport, Schach und das Segeln, doch das verzeihe ich gerne.