So etwas vergisst man nie

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theresia626 Avatar

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Im Mittelpunkt von Sandro Veronesis neuem Roman steht Gigio Bellandi. Es geht um den Sommer des Jahres 1972, den die Familie wie immer in Fiumetto an der ligurischen Küste verbringt. Gigio interessiert sich sehr für Sport, verfolgt alle Wettkämpfe und verfolgt auch den Kampf um die Weltmeisterschaft im Schachspiel von Bobby Fischer und Boris Spasski. Der Vater, ein Strafverteidiger, verbringt die Wochenenden mit der Familie. Dann pflegt er sein geliebtes Segelboot Tivatú und bringt seinem Sohn das Segeln bei. In diesem Sommer verliebt sich Gigio in die ein Jahr ältere bildhübsche Astel Raimondi, Tochter einer äthiopischen Mutter. Die Raimondis haben die benachbarte Strandkabine. Auch Astel fühlt sich zu Gigio hingezogen, und sie verbringen viel Zeit miteinander, auch in der prächtigen Villa der Raimondis, wo sie Musik hören und tanzen. Die beiden Jugendlichen übersetzen Songtexte von Cat Stevens und David Bowie. Gigio hilft Astel ihr Englisch zu verbessern. Seine Mutter Betty ist gebürtige Irin.
Veronesi erzählt die Geschichte des letzten glücklichen Sommers der Kindheit. Der Leser weiß die ganze Zeit, dass etwas Schlimmes passieren wird. Es geht nicht nur um die betroffenen Familien, sondern auch um die Olympischen Spiele dieses Jahres in München mit dem Attentat auf die israelische Mannschaft. Fünfzig Jahre später hat der Ich-Erzähler nichts von den Ereignissen vergessen und bringt seine Version der Geschichte zu Papier. Neben dem zeitgeschichtlichen Hintergrund und der Liebesgeschichte der beiden Jugendlichen kommt auch das Thema Rassismus zur Sprache. Gigios Mutter Betty mit ihrer hellen, sommersprossigen und sehr empfindlichen Haut begegnet ebenso Rassismus wie Astel und ihre äthiopische Mutter. Es reicht, anders auszusehen als alle anderen. Die Erzählung ist außerordentlich detailliert, vor allem auch bei der Darstellung von Wettkämpfen aller Art. Das italienische Ambiente ist zwar sehr reizvoll, aber das reicht nicht. Für meinen Geschmack ist der Roman zu handlungsarm, und ich bin etwas enttäuscht.