Vom Gewicht des Alltäglichen

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jumo Avatar

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Schwebende Lasten von Annette Gröschner ist kein Roman, der laut um Aufmerksamkeit bittet. Er arbeitet leiser – fast tastend – und genau darin liegt seine Stärke.

Gröschner erzählt von Menschen, deren Leben sich zwischen Arbeit, Erinnerungen und den unscheinbaren Routinen des Alltags entfaltet. Die titelgebenden „Lasten“ sind selten spektakulär: Es sind Verpflichtungen, Familiengeschichten, kleine Enttäuschungen, das Gewicht der Vergangenheit. Doch sie schweben – sie drücken nicht nur nach unten, sondern halten die Figuren auch in einer merkwürdigen Balance.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist der Blick für Details. Gröschner schreibt mit einer Genauigkeit für Orte, Geräusche und Gesten, die die Welt des Romans sehr konkret macht, ohne je ins Dokumentarische zu kippen. Vieles bleibt angedeutet. Beziehungen werden nicht ausbuchstabiert, sondern zeigen sich in kleinen Verschiebungen: einem Blick, einer Erinnerung, einer beiläufigen Bemerkung.

Der Roman verlangt ein ruhiges Lesen. Wer eine stark getriebene Handlung sucht, wird hier vielleicht ungeduldig. Wer jedoch Literatur mag, die Zwischenräume ernst nimmt und Figuren Zeit gibt, sich zu entfalten, findet in Schwebende Lasten ein kluges, fein komponiertes Buch. Es ist eines dieser Werke, die nicht unbedingt überwältigen – aber lange nachklingen.