Drei Mädchen, eine Großmutter ohne Herz
Die Leseprobe zu „Schwestern. Trotz allem" von Max Moor hat mich von der ersten Seite an gepackt – und zwar auf eine Weise, die richtig wehtut. Wir befinden uns im Herbst 1945: Drei kleine Mädchen, Gerti, Hansi und die jüngste Rudi, werden von ihrem Großvater Franz zu dessen zweiter Frau Hedwig gebracht, nachdem offenbar ihre Mutter Johanna gestorben ist. Schon der erste Satz – die Generaloberin, die zusieht, wie sich die Gruppe nähert, unschlüssig, ob die Kinder freiwillig mitgehen oder gezerrt werden – setzt einen Ton von beklemmender Ausweglosigkeit, der sich über die folgenden Seiten nur noch steigert.
Was mich am meisten erschüttert hat, ist die Figur der Hedwig: eine Frau, die mit kalter, fast genüsslicher Präzision jede Wärme im Haus erstickt, vom totalen Nichtenboykott über die minutiöse Kontrolle jeder Kleinigkeit bis zur schließlich verkündeten Entscheidung, die drei Mädchen in ein Heim zur Adoption zu geben. Moor beschreibt diese schleichende Erdrosselung – das Bild der Würgeschlange, die sich locker um ihre Beute legt und mit jedem Ausatmen enger zieht, ist an dieser Stelle geradezu programmatisch für das ganze Kapitel – mit einer Präzision, die kalt macht, ohne je effekthascherisch zu wirken.
Besonders stark fand ich die Szene mit den gefundenen BDM-Knöpfen unter dem Kopfkissen: Wie Hedwig, die zunächst Kotknödel vermutet, plötzlich in Verzückung gerät, weil sie darin ein Zeichen nationalsozialistischer Gesinnung bei ihrer Enkelin Gerti erkennt – und dieses vermeintliche Zeichen sogar dazu bringt, ihre Haltung kurzzeitig zu überdenken. Diese Volte macht auf beklemmende Weise deutlich, wie tief die Ideologie noch in den Nachkriegsjahren nachwirkt, auch in den kleinsten, privatesten Winkeln eines Haushalts. Der Bruch am Ende der Leseprobe, als die drei Schwestern im Heim getrennt werden sollen und ihre mitgebrachten Erinnerungsstücke abgeben müssen, ist herzzerreißend erzählt, ohne ins Sentimentale zu kippen.
Moor schreibt mit einem sehr genauen Ohr für die Sprache der Zeit, für die höfliche Grausamkeit, mit der Erwachsene übereinander und über Kinder hinweg entscheiden. Nach dieser Leseprobe bin ich sehr gespannt, wie es den drei Schwestern ergeht und ob – der Titel verspricht es ja – sie trotz allem zueinanderfinden. Ein Buch, das mich emotional sehr mitgenommen hat und das ich unbedingt weiterlesen möchte.
Was mich am meisten erschüttert hat, ist die Figur der Hedwig: eine Frau, die mit kalter, fast genüsslicher Präzision jede Wärme im Haus erstickt, vom totalen Nichtenboykott über die minutiöse Kontrolle jeder Kleinigkeit bis zur schließlich verkündeten Entscheidung, die drei Mädchen in ein Heim zur Adoption zu geben. Moor beschreibt diese schleichende Erdrosselung – das Bild der Würgeschlange, die sich locker um ihre Beute legt und mit jedem Ausatmen enger zieht, ist an dieser Stelle geradezu programmatisch für das ganze Kapitel – mit einer Präzision, die kalt macht, ohne je effekthascherisch zu wirken.
Besonders stark fand ich die Szene mit den gefundenen BDM-Knöpfen unter dem Kopfkissen: Wie Hedwig, die zunächst Kotknödel vermutet, plötzlich in Verzückung gerät, weil sie darin ein Zeichen nationalsozialistischer Gesinnung bei ihrer Enkelin Gerti erkennt – und dieses vermeintliche Zeichen sogar dazu bringt, ihre Haltung kurzzeitig zu überdenken. Diese Volte macht auf beklemmende Weise deutlich, wie tief die Ideologie noch in den Nachkriegsjahren nachwirkt, auch in den kleinsten, privatesten Winkeln eines Haushalts. Der Bruch am Ende der Leseprobe, als die drei Schwestern im Heim getrennt werden sollen und ihre mitgebrachten Erinnerungsstücke abgeben müssen, ist herzzerreißend erzählt, ohne ins Sentimentale zu kippen.
Moor schreibt mit einem sehr genauen Ohr für die Sprache der Zeit, für die höfliche Grausamkeit, mit der Erwachsene übereinander und über Kinder hinweg entscheiden. Nach dieser Leseprobe bin ich sehr gespannt, wie es den drei Schwestern ergeht und ob – der Titel verspricht es ja – sie trotz allem zueinanderfinden. Ein Buch, das mich emotional sehr mitgenommen hat und das ich unbedingt weiterlesen möchte.