Melancholisch trüb
Drei Schwestern, die am Ende des Zweiten Weltkriegs auseinandergerissen werden und trotzdem ein Leben lang miteinander verbunden bleiben – diese Ausgangssituation hat mich bei Schwestern. Trotz allem sofort neugierig gemacht. Besonders hängen geblieben sind mir die drei Knöpfe, die Gerti von einer alten Weste abreißt und als Glücksbringer für ihre Schwestern behält. Ich finde dieses kleine Detail überraschend berührend, weil es die Verbindung zwischen den Mädchen greifbar macht, obwohl sie sich nach dem Krieg verlieren. Gleichzeitig interessiert mich, wie unterschiedlich sich ihre Leben entwickeln: Während Gerti sich nach einer eigenen Familie sehnt und sich trotz schwieriger Umstände durch ihr Leben kämpft, scheint Rudi eher vor ihrer Vergangenheit davonzulaufen und Hansi ihre Unabhängigkeit zu suchen. Gerade diese drei unterschiedlichen Wege finde ich spannend, weil sie zeigen könnten, wie unterschiedlich Menschen mit denselben traumatischen Erfahrungen umgehen. Die Leseprobe hat außerdem eine ziemlich schwere Grundstimmung, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass nur möglichst viel Drama erzeugt werden soll. Besonders die Nachkriegszeit finde ich als Hintergrund interessant, weil die Figuren nicht nur mit ihrem persönlichen Verlust klarkommen müssen, sondern auch in einer Gesellschaft leben, die selbst noch mit den Folgen des Krieges beschäftigt ist. Ich bin vor allem gespannt darauf, ob und wie die drei Schwestern wieder zueinanderfinden und ob ihre gemeinsame Vergangenheit irgendwann stärker sein kann als all die Jahre, die sie getrennt voneinander gelebt haben. Insgesamt wirkt das Buch auf mich wie eine sehr persönliche Familiengeschichte über Verlust, unterschiedliche Lebenswege und die Frage, was von einer Geschwisterbeziehung übrig bleibt, wenn man sich fast ein ganzes Leben lang nicht wirklich kennen kann.