Berührende, unterhaltsame Zeitgeschichte
Ausgangspunkt der Geschichte: Es ist Frühjahr 1945 auf dem Gut Hollerbrunn in Österreich. Die Lage ist prekär, die Rote Armee befindet sich vor Wien und die Gutsbesitzerin, die Baronin, schickt ihren Angestellten in eine fragwürdige Mission, von der er nicht wiederkehrt. Er ist der Vater von drei Mädchen, Gerti, Rudi und Hansi und verheiratet mit Johanna, die schwer erkrankt und bald verstirbt. Die bunte Truppe, wie die warmherzige Baronin die Kinder nennt, sind nun verwaist. Es erscheint vernünftig, sie dem Großvater zu übergeben. Doch die herrische und unbarmherzige Tante, die schon mit Widerwillen ihre mittellosen Eltern in ihrem Haus aufnahm, will die Mädchen nicht haben. So kommt es, dass nur Gerti durch eine groteske Fügung bleiben darf. Rudi und Hansi müssen ins Heim zu den sadistischen Klosterschwestern. Damit beginnt eine Odyssee für die Schwestern und ihr Schicksal treibt sie auseinander.
Von Max Moor habe ich schon einige Bücher gelesen und sie gefielen mir, schon wegen seines Schreibstils – voller Humor und Hintersinn.
Hier erwarteten mich 560 Seiten und ich war auf diese Geschichte sehr gespannt. Der Roman ist in drei Teile gegliedert und erzählt über eine Zeitspanne von 1945 bis 2016, enthält Prolog und Epilog zum Ende des Lebens von Gerti, die ihre beiden jüngeren Schwestern überlebt. Die Handlungsorte befinden sich in Österreich und Italien.
Die Hauptpersonen sind die drei Schwestern und der meist abwesende Lebenspartner Gertis, der verheiratete Albert, Vater ihrer beiden Kinder. Die Geschichte entwickelt sich zunächst über tagebuchartigen Einträge Alberts aus seiner Schreibmappe. So sind die Kapitel überschrieben. Das sind eindrucksvolle Berichte über die Kriegserlebnisse in Italien, seine wechselnden beruflichen Einsätze im Ausland, über sein Leben mit zwei Frauen. Er richtet diese Niederschriften an einen zwar existierenden Pfarrer, aber schickt sie nie ab. Albert und Gertis Leben nehmen den meisten Raum ein. Über Rudi und Hansis Werdegang erfährt der Leser/die Leserin aus den Jahren 1957, 1963, 1964, 1966 bis 1971 und in Rückblicken anderer Personen. Erst 1973 treffen die Geschwister wieder aufeinander.
In bildhafter Sprache und meisterhaft in Szene gesetzt bringt der Autor die unterschiedlichen Entwicklungen der Lebensläufe der drei Frauen zu Papier. Durchsetzt mit österreichischen Ausdrücken bekommt das Ganze ein besonderes Flair. Zum besseren Verständnis wurde ein Lesezeichen als Glossar beigelegt.
Die Lebensgeschichten sind komplex und trotz der vielen Seiten natürlich nicht auserzählt. Da gibt es eine Menge an Personen, die die Wege der Schwestern kreuzen und sie in verschiedenster Weise prägen, beeinflussen, ja sogar sexuell mißbrauchen (siehe bei Rudi - das ist ganz entseztlich, was ihr bei den Nonnen widerfährt) oder übergriffig (Gerti) werden. Am besten hat es noch Hansi getroffen, die bald aus dem abscheulichen Heim zu Adoptiveltern in gute Hände kommt und sie später zu Großeltern zweier Zwillingspärchen macht, um die sie sich ebenfalls kümmern.
Vom Cover blicken uns drei Mädchen an. Sie stehen da wie die Orgelpfeifen und halten sich an den Händen– die blonde Gerti, die rothaarige Rudi und die schwarzhaarige Hansi. Schwestern. Trotz allem, das ist ein Titel, der die Schicksale ganz gut umreisst, obwohl er auch zu Fehlinterpretationen verleiten kann. Das Einzige, was sie am Ende gemeinsam hatten war ihre frühe wohlbehütete Kindheit bei den Eltern, bevor sie so abrupt auseinandergerissen wurden. Die drei Knöpfe als Symbol des Zusammenhalts waren gut gemeint, haben aber letzten Endes durch die gewaltsame Trennung der Schwestern nur für Gerti eine Bedeutung.
Ich empfehle dieses Buch gern. Es ist eine berührende und unterhaltende Geschichte über ein Stück europäischer Zeitgeschichte. Fünf von fünf Sternen!
Von Max Moor habe ich schon einige Bücher gelesen und sie gefielen mir, schon wegen seines Schreibstils – voller Humor und Hintersinn.
Hier erwarteten mich 560 Seiten und ich war auf diese Geschichte sehr gespannt. Der Roman ist in drei Teile gegliedert und erzählt über eine Zeitspanne von 1945 bis 2016, enthält Prolog und Epilog zum Ende des Lebens von Gerti, die ihre beiden jüngeren Schwestern überlebt. Die Handlungsorte befinden sich in Österreich und Italien.
Die Hauptpersonen sind die drei Schwestern und der meist abwesende Lebenspartner Gertis, der verheiratete Albert, Vater ihrer beiden Kinder. Die Geschichte entwickelt sich zunächst über tagebuchartigen Einträge Alberts aus seiner Schreibmappe. So sind die Kapitel überschrieben. Das sind eindrucksvolle Berichte über die Kriegserlebnisse in Italien, seine wechselnden beruflichen Einsätze im Ausland, über sein Leben mit zwei Frauen. Er richtet diese Niederschriften an einen zwar existierenden Pfarrer, aber schickt sie nie ab. Albert und Gertis Leben nehmen den meisten Raum ein. Über Rudi und Hansis Werdegang erfährt der Leser/die Leserin aus den Jahren 1957, 1963, 1964, 1966 bis 1971 und in Rückblicken anderer Personen. Erst 1973 treffen die Geschwister wieder aufeinander.
In bildhafter Sprache und meisterhaft in Szene gesetzt bringt der Autor die unterschiedlichen Entwicklungen der Lebensläufe der drei Frauen zu Papier. Durchsetzt mit österreichischen Ausdrücken bekommt das Ganze ein besonderes Flair. Zum besseren Verständnis wurde ein Lesezeichen als Glossar beigelegt.
Die Lebensgeschichten sind komplex und trotz der vielen Seiten natürlich nicht auserzählt. Da gibt es eine Menge an Personen, die die Wege der Schwestern kreuzen und sie in verschiedenster Weise prägen, beeinflussen, ja sogar sexuell mißbrauchen (siehe bei Rudi - das ist ganz entseztlich, was ihr bei den Nonnen widerfährt) oder übergriffig (Gerti) werden. Am besten hat es noch Hansi getroffen, die bald aus dem abscheulichen Heim zu Adoptiveltern in gute Hände kommt und sie später zu Großeltern zweier Zwillingspärchen macht, um die sie sich ebenfalls kümmern.
Vom Cover blicken uns drei Mädchen an. Sie stehen da wie die Orgelpfeifen und halten sich an den Händen– die blonde Gerti, die rothaarige Rudi und die schwarzhaarige Hansi. Schwestern. Trotz allem, das ist ein Titel, der die Schicksale ganz gut umreisst, obwohl er auch zu Fehlinterpretationen verleiten kann. Das Einzige, was sie am Ende gemeinsam hatten war ihre frühe wohlbehütete Kindheit bei den Eltern, bevor sie so abrupt auseinandergerissen wurden. Die drei Knöpfe als Symbol des Zusammenhalts waren gut gemeint, haben aber letzten Endes durch die gewaltsame Trennung der Schwestern nur für Gerti eine Bedeutung.
Ich empfehle dieses Buch gern. Es ist eine berührende und unterhaltende Geschichte über ein Stück europäischer Zeitgeschichte. Fünf von fünf Sternen!