Der schwere Geruch verwelkender Blüten

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owenmeany Avatar

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Der Zweite Weltkrieg und seine Nachwirkungen zersprengte so manche Familie, was immer wieder Stoff liefert für spannende Romane. So ergeht es auch Gerti und ihren Schwestern Rudi und Hansi: der Vater verschwunden, die Mutter gestorben und die jüngeren Schwestern abgeschoben ins Heim. Der tyrannischen Tante Hermine zum Trotz geht Gerti beherzt ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Über ihr als alleinerziehender Mutter schwebt jedoch andauernd der Kindesentzug durch die Jugendwohlfahrt als Damoklesschwert über ihr.

Hansi hat Glück mit ihrer Pflegefamilie, tüchtig und begabt erringt sie berufliche Erfolge im Hotelwesen, kümmert sich aber nicht um ihre vier Kinder. Erschütternd ist das Schicksal Rudis, die sie im Kinderheim so radikal versaut haben, dass sie auch in der schier grenzenlosen Liebe Faustos und dem damit verbundenen luxuriösen Leben nicht glücklich wird, sondern sich selber ein Bein stellt.

Eine weitere Perspektive bringt Albert, der Vater von Gertis Kindern ins Spiel durch seine tagebuchartigen Briefe. Ein liebenswerter Hallodri, der für alle da sein will, doch der Herausforderung zwischen Gerti und seiner Ehefrau nicht gerecht werden kann und sich vielleicht deshalb in internationale berufliche Projekte flüchtet.

Und über all dem schwebt die spannende Frage: werden sich die drei eines Tages wiederfinden?

Eingenommen hat mich für das Buch von Anfang an die lebendige und dramatische Schreibweise Max Moors, die einen mühelos von Seite zu Seite schreiten lässt. Die schicksalhaften Verflechtungen konstruiert er frei von Klischees, mit unvorhersehbaren, aber glaubwürdigen Wendungen und mit filmreifen Dialogen, aufgelockert durch flotte Sprüche in österreichischem Schmäh. Gnadenlos entlarvt er Spießer und Blockwarte jeglicher Couleur. Den Zeitgeist fängt er ein mit den damals aktuellen Schlagern. Am meisten beeindruckt mich die aufrechte, selbstbewusste, lebenstüchtige Gerti, die ihre beiden Kinder wie eine Löwenmutter durch alle Fährnisse lotst und scheinbar jeder Situation gewachsen ist. Die bedingungslose Liebe zu Albert ungeachtet aller Schwierigkeiten gibt ihr die Kraft dazu.

Und am Ende ergibt sich dann kurioserweise noch eine gewisse Symmetrie der familiären Konstellationen, so dass man den Band zufrieden mit einem Gefühl der Sinnhaftigkeit schließen kann.