Kriegswaisen

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brigitteb Avatar

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Drei österreichische Mädchen verlieren im zweiten Weltkrieg die Eltern und werden getrennt. Rudi und Hansi kommen in ein Heim, in dem sadistische Nonnen regieren. Später werden die beiden Mädchen von unterschiedlichen Paaren adoptiert. Gerti, die Älteste, kommt in die Obhut der Grosseltern. Die Kinder wachsen getrennt und ohne Kontakt zueinander auf. Ihre späteren Leben sind geprägt von Schuldgefühlen, Vermissen und Ersatzkompensationen. Alle Mädchen versuchen sehnsüchtig, ihren Platz im Leben zu finden.

Der Debütroman besticht durch eine eloquente, präzise und teilweise sarkastische Spache. Damit die Erzählung nicht abhebt, fügt Moor Dialoge in österreichischem Dialekt ein, was authentisch wirkt, ohne behäbig zu sein. Die Atmosphäre der letzten Kriegstage wird bildhaft eingefangen, ebenso die Zeit nach Kriegsende, als die Welt auf Null gestellt wurde und sich neu sortierte. Mit detaillierten Schilderungen von Mode, Einrichtung, Essen und Fahrzeugen bildet der Autor den damaligen Zeitgeist hervorragend ab. Allerdings wurde das Werk dadurch auch etwas lang. Der Roman beschreibt auf psychologischer Ebene eindringlich, wie drei traumatisierte Schwestern gleichzeitig Erlebtes nach ihren ganz individuellen Ordnungssystem verarbeitet haben.

Ein gelungener Nachkriegsroman speziell aus weiblicher Perspektive. Ein Buch über Wurzeln, Verluste und Bande, die uns auch dann noch tragen, wenn die Hände längst losgelassen haben.