Schade...

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Bei „Schwestern. Trotz allem“ bin ich mit ganz anderen Erwartungen an die Geschichte herangegangen. Der Titel und die Leseprobe ließen mich eine intensive Familiengeschichte über drei Schwestern erwarten, über ihre Trennung, ihre Verbundenheit und darüber, wie die gemeinsamen Erlebnisse ihr späteres Leben prägen. Umso bedauerlicher fand ich es, dass sich der Roman hauptsächlich auf Gerti und ihren Lebensweg konzentriert und ihre Schwestern für mein Empfinden zu sehr in den Hintergrund treten.

Gertis Geschichte habe ich aber trotzdem gerne verfolgt. Besonders die Verbindung ihres persönlichen Schicksals mit den gesellschaftlichen Bedingungen der Nachkriegszeit hat Max Moor perfekt eingefangen. Einige ruhig erzählte familiäre Szenen haben mich sehr berühren können. Auch sein Schreibstil hat mir gefallen, denn Moor erzählt angenehm, flüssig und ohne übertriebene Dramatik.

Meine größte Kritik bleibt aber die Gewichtung der Geschichte. Einige Figuren und Lebensabschnitte hätte ich gerne ausführlicher kennengelernt. Vor allem hätte ich mir, wie bereits erwähnt, deutlich mehr über die Beziehung der Schwestern gewünscht und wie ihre einzelnen Erfahrungen sie langfristig geprägt haben. Hier wurde für mich einiges an emotionalem Potenzial nicht ausgeschöpft.

Vielleicht war meine Erwartung durch den Titel einfach eine andere. Bekommen habe ich also weniger einen Roman über drei Schwestern als vielmehr Gertis Lebensgeschichte vor dem Hintergrund ihrer Zeit. Diese ist interessant und durchaus auch berührend, konnte mich aber allein nicht vollständig überzeugen.

Für Leserinnen und Leser, die ruhige Lebensgeschichten mit historischem Hintergrund mögen, ist das Buch sicherlich einen Blick wert.