Schönes Familien-Epos

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pippilottaviktualia Avatar

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Das ist der erste Roman des sonst als Autor von Sachbüchern und als Schauspieler bekannten Max Moor.
Die immerhin 555 Seiten lesen sich nicht mal eben so. Es geht um das Schicksal dreier österreichischer Schwestern, beginnend 1945, endend 2016. Sie gelten in ihrem Umfeld als „bunte Truppe“, was wohl in erster Linie ihrer unterschiedlich farbigen Haare geschuldet ist (blond, rot, schwarz). Diese schlagwortartige Bezeichnung zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und charakterisiert die drei Frauen sehr treffend. Schon als kleine Kinder verlieren sie ihre Eltern (durch Tod bzw. in den Kriegswirren). Anschließend werden sie auseinandergerissen. Gerti, die Älteste, wächst bei den Großeltern auf, die jüngeren Schwestern Rudi und Hansi kommen in ein Heim, wo sie psychisch und körperlich grausam misshandelt werden. Von dort wird nur Hansi durch liebevolle Menschen adoptiert. Die drei verlieren sich bis ins Alter aus den Augen und suchen wegen Schuldgefühlen auch nicht den Kontakt zueinander.
Bis zur Thematisierung des jungen Erwachsenenalters der drei habe ich den Roman sehr gerne gelesen und habe bereits eine Fünf-Sterne-Bewertung anvisiert. Der einzigartige, immer wieder humorige Schreibstil ließ mich fast durch die Seiten fliegen. Dann aber entwickelten sich die Lebensläufe der Schwestern zum wenig Realistischen und Vieles wirkte auf mich künstlich aufgesetzt. Da scheinen mir die Pferde mit dem Autor durchgegangen zu sein, solch eine Fantasie legt er bei der Darstellung der Figuren zu Tage. Zum Glück war das bei Gertis curriculum vitae noch am wenigsten der Fall und überwiegen die sie betreffenden Passagen quantenmäßig. Bei ihr geht es um eine merkwürdige außereheliche Beziehung zu einem Hallodri, der beruflich in der Welt unterwegs ist und sich bei Gerti und ihrem gemeinsamen Kindern nur sporadisch blicken lässt, aber in jeder Phase merkwürdige Pläne für sie entwickelt. Rudi geht wiederholt Ehen mit Millionären ein, kann aber ihr Kindheitstrauma nie loswerden. Und Hansi macht eine unrealistisch wirkende Karriere im Hotelgewerbe, gebärt nebenher zweimal Zwillinge. Die Passagen über Rudi und Hansi sind so abstrus, dass ich zum Weiterlesen manchmal nicht die rechte Lust hatte. Gefallen hat mir die klare Durchstrukturierung des Textes, der abwechselnd aus der Sicht jeder Schwester erzählt wird, außerdem auch Tagebuchnotizen von Gertis Partner wiedergibt. Gemocht habe ich auch die gelegentlich eingearbeiteten mundartlichen österreichischen Vokabeln, allen voran das Wort „Rotschädlerter“ oder „Blitzgneißer“.
Insgesamt empfehle ich das Buch mit dreieinhalb bis vier Sternen.