Schwestern, die ihren Weg gehen

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novi1313 Avatar

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Das Cover mit dem kräftigen Rot, dessen blaue Schrift sich im Einband wiederfindet, zeigt drei junge Mädchen verschiedenen Alters auf einer Stufe. Sich an den Händen haltend, den Blick geradeaus lässt sich eine Stärke und ein „wir haben uns“ hinein interpretieren. Wird es so sein?

Hansi, Rudi und Gerti verlieren ihre Mutter, der Vater ist verschwunden. Gemeinsam kommen sie mit ihrem Großeltern bei der Tante unter, die nun endlich die Nichten und Eltern drangsalieren kann, da sie sich doch immer als die nicht beachtete Tochter empfand.. Durch den frühen Tod ihres Mannes versorgt, könnte sie nun allen ein komfortables Dach über den Kopf bieten.
Das verhindert sie und zwingt, dass Hansi und Rudi in ein Kinderheim gebracht werden. Seitdem gibt es keinerlei Kontakt mehr zu den Großeltern oder Gerti. Als Ältere verzweifelt diese zu Beginn daran.
Diese tragische Kindheit prägt alle drei. Während Hansi schnell von liebevollen Adoptiveltern aufgenommen wird, erleidet Rudi bei den sadistischen Nonnen Qualen und Gerti wächst im Umfeld der Tante und der Großeltern auf.

Der umfangreiche Roman umfasst knapp 560 Seiten, die in drei Teile unterteilt sind. Beginnend mit einem Prolog und endend mit einem Epilog, in dem Gerti die Hauptrolle spielt.
Von den drei Geschwistern wird Gerti der größte Erzählrahmen gewährt, Sie trifft auf den verheirateten Albert, den „Halodri“ der ihr Lebensgefährte und Vater ihrer zwei Kinder wird. In Briefen an einen Pfarrer, die er nie verschickt, wird seine Lebensgeschichte ebenfalls länger erzählt.
Der Erzählrahmen umfasst die Zeit von 1945 bis in die 1970er Jahre.
Die Geschwister verbindet eine tragische Geschichte des Verlusts und bekommen doch irgendwie die Kurve, während sie sich dabei unterschiedlich entwickeln. Trotz – oder genau deshalb – meistern sie ihr Leben selbstbewusst.

Gerti wird eine alleinerziehende, berufstätige Mutter, die häufig in Angst vor der Jungendfürsorge lebt, da ihre Kinder unehelich sind. Ihr Albert, die Liebe ihres Lebens arbeitet meist im Ausland und kann ihr nicht die Unterstützung im Alltag bieten, die sie benötigt.
Ihr Leben wird sehr ausführlich erzählt. Zu Beginn wird das Leben ihrer Schwestern Rudi und Hansi eher nebenher erzählt.
Rudi litt, wie erwähnt im Kinderheim, und schafft es dennoch bis in die High Society Roms, (mit viel Name Dropping und geschichtlichen Hintergrund erzählt) um dann abzustürzen und dennoch anzukommen.
Hansi klettert die Karriereleiter hinauf, bekommt währenddessen zweimal Zwillinge, die bei ihren Adoptiveltern aufwachsen. Ein eher „atypischer“ Werdegang einer Frau in diesen Jahren.
Genau diese atypischen Werdegänge bilden die Grundlage des Romans. War es für einen Mann in Ordnung beruflich im Ausland zu arbeiten und große Projekte zu betreuen, so wurde es verurteilt, wenn Frauen alleine mit ihren unehelichen Kindern wohnten und ihren Unterhalt selbst verdienten.
Auch Hansis Weg von der Hotelfachfrau bis ins Hotelmanagement war für den Erzählzeitraum eher ungewöhnlich.
Oder Rudis Aufstieg von der Reiseleiterin in die High Society.
Nebenbei wird anhand der Geschwister die Geschichte Österreichs, Italiens und, durch Albert, teilweise Türkei erzählt.
Man könnte vermuten, dass der Autor sich dadurch im Roman verzettelt. Dem ist nicht so.
Sprachgewaltig führt er durch die Kapitel und erzeugt Bilder, die sofort ins Geschehen einbinden. Der Lesegenuss ist dadurch gegeben.
Mit dem Epilog hadere ich. Passt er zu Gertis Charakter, so hätte ich dennoch gerne darauf verzichtet.