Schwestern
Ein Buch, emotional sehr nachwirkend, das 1945 beginnt. Die drei Schwestern Gerdi, Rudi und Hansi verlieren beide Eltern. Gerti findet bei den Großeltern und der herrischen Tante ein Bleibe, Rudi wird in einem Waisenhaus von strengen, bigotischen und sehr verbissenen Nonnen gequält und unterdrückt. Nur die kleine Hanni wird von einem liebevollen Bauernehepaar adoptiert. Wir begleiten die drei Schwestern bis hin im Jahr 2016, wobei Gerti hier den größten Teil des Buches einnimmt. Sie verliebt sich in den verheirateten Albert, bekommt zwei Kinder, er hält aber ein Leben lang zu ihr. Rudi kann ihre Vergangenheit im Kloster nicht vergessen, sie fühlt sich schlecht und minderwertig und auch ihre Beziehungen zu den Männern sind dadurch belastet. Hanni macht Karriere, bekommt auch Kinder aber ist sehr selbständig und steht auf eigenen Füßen. Hier erzählen die drei Schwester in den einzelnen Kapiteln jeweils voneinander, wir begleiten sie ein Leben lang durch alle Höhen und Tiefen. Dazwischen kommt Albert in tagebuchartigen Eintragungen zu Wort. Der Autor schildert in beeindruckender Weise die Entwicklung der Dreien, man ist mit in das Wirtschaftswachstum, der aufstrebenden 60iger Jahre involviert. Hautnah bekommen wir die Gefühle und Ängste mit, das Leben in der jeweiligen Zeit für die Schwestern bereit hält. Esi ist mehr als ein Roman, es ist eine lebensnahe, in die Tiefe gehende Homage und zeigt uns, welche Auswirkungen eine in der Kindheit erlittene Kränkung und Herabsetzung für das ganze Leben haben kann. Man merkt in der Ausdrucksweise und dem Schreibstil, dass der Autor auch als Moderator fungiert hat. Ich werde über das Buch und den Inhalt noch lange nachdenken. Das Cover zeigt drei Mädchen, die wie die Orgelpfeifen sich einander an den Händen halten. Vielleicht hören wir von Max Moor noch mehr.