Tod eines Pubbesitzers

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dimity74 Avatar

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Fleetcombe ist eine ruhige Gemeinde, so ganz anders als es Detective Nicola Bridge von ihrer bisherigen Dienststelle im pulsierenden Liverpool gewöhnt ist, doch die Umstände machten einen Ortswechsel nötig und nun sitzt sie hier in einem ehemaligen Bankgebäude, das als provisorische Polizeistation dient und versucht gemeinsam mit dem jungen, unerfahrenen Quereinsteiger Harry Ward den bizarren Mord an Jim Tiernan, dem örtlichen Pubbetreiber, aufzuklären. Jemand hat den Wirt nicht nur getötet, sondern seiner Leiche ein Hirschgeweih an den Kopf gebunden und ihn dann auf einem Stuhl mitten auf der Landstraße abgestellt.

Das Buch stammt aus der Feder von Chris Chibnall, der Krimi- und Serienfans als Drehbuchautor von "Broadchurch", bekannt sein könnte. Da ich die Atmosphäre der Serie sehr mochte und generell auch gerne mal einen etwas ruhigeren Kriminalfall, der vor allem durch seine Ermittler gertragen wird, lese, war ich vom Buch sehr angetan. Die Story beginnt direkt mit dem Fund der zur Schau gestellten Leiche und man begleitet das anfangs doch sehr ungleiche Ermittlerduo bei der mühsamen Spurensuche, Tatortanalyse, Zeugenbefragungen, das Zusammentragen von Hinweisen. Das Leben des Ermordeten wird durchleuchtet, seine letzten Tage rekonstruiert, ein Mordmotiv ebenso gesucht, wie ein Täter. Schnell gibt es einen möglichen Verdächtigen und Parallelen zu einer Mordserie, die bereits viele Jahre zurückliegt, doch ebenso schnell wird klar, dass sich der Fall so einfach nicht aufklären lässt.

Der Autor schreibt sehr leichtgängig und man hat keine Schwierigkeiten der Story zu folgen, sein Setting ist typisch britisch und dürfte vielen Lesern aus anderen, ähnlichen Büchern, Filmen und Serien bekannt vorkommen. Die Mitglieder der Dorfgemeinschaft werden recht klassisch in einzelnen Kapiteln vorgestellt und es wird natürlich schnell klar, dass hier nicht unbedingt direkt jeder die Wahrheit sagt und das unter der Oberfläche aus Angst und Trauer noch etwas anderes liegt. Die Ermittlungen zum Mordfall erfolgen hautsächlich auf der Basis von Zeugenbefragungen, wer spektakuläre Kriminaltechnik ala CSI erwartet, wird eher enttäuscht. Leider hat aber gerade dieser Ermittlungsstil seine Tücken, geht es doch zeitweise sehr schleppend und zäh voran.

Mit Nicola Bridge und Harry Ward hat der Autor ein Ermittlerduo geschaffen das sich erstmal aneinander gewöhnen muss. Auf der einen Seite der junge, übereifrige, aber auch wissbegierige Ward, auf der anderen Seite die erfahrene Bridge, die für die Arbeit auf dem Land schon fast überqualifiziert ist. Natürlich ahnt man recht schnell, dass Bridge nicht unbedingt freiwillig aus Liverpool weg ist und natürlich erfährt man auch recht schnell die Gründe dafür, denn Bridge wird nicht müde mit ihrem Schicksal und den Ereignissen, die den Umzug nötig machten, zu hadern. Leider hat diese Selbstgeißelung es mir nicht immer leicht gemacht die Figur zu mögen, die eigentlich eine absolut fähige Ermittlerin ist, allerdings jede Kleinigkeit als persönliches Versagen und den Verlust ihr analytischen Fähigkeiten sieht und so, nicht nur sich selbst, sondern auch ihrem Umfeld das Leben schwer macht. Näher kann ich darauf nicht eingehen ohne zu spoilern. An sich mag ich es sehr gern, wenn persönliche und familiäre Hintergründe der Figuren in den Kriminalfall eingebunden sind, allerdings muss die Balance stimmen und hier war es mir halt manchmal zu viel. Ich verstehe natürlich, dass die Figur Bridge durch die Ereignisse geprägt wurde und ihre Gemütsverfassung und ihr Handeln davon bestimmt sind und so Einfluss auf die Lösung des Falles und die Interaktion mit den neuen Kollegen nehmen, aber wie gesagt, sie hat sich da doch sehr drin verloren.

Man nähert sich schrittweise und in logischer Folge der Lösung des Falles an, bei einigen Details ist man als Leser den Ermittlern naturgemäß einen Schritt voraus, die finale Auflösung hat mich dann aber doch überrascht. Leider hat die Auflösung meinen Gesamteindruck aber auch nicht mehr verändert, ich fand die Story solide, gut erzählt und nachvollziehbar, letztlich aber doch sehr zäh und langatmig, gern gelesen habe ich sie trotz allem und ich wäre durchaus bereit dem Ermittlerduo eine zweite Chance zu geben, sollte die Reihe fortgesetzt werden.