Düster, schräg und herrlich eigenwillig

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Das ist mal eine Kinderbuch-Leseprobe, die direkt mit ordentlich Schwung und einer wunderbar schrulligen Bildsprache ins Haus schneit! Silja Sillanpää packt einen gleich im Prolog an den Füßen: Da stürzt dieser Junge kopfüber in die bodenlose Schwärze, landet in einem elastischen Netz und stolpert kurz darauf auf schuppigen Kacheln in einen verlassenen, unterirdischen Bahnhof, wo plötzlich ein finsterer Zug heranbraust. Das hat sofort Zugkraft und weckt diesen wohligen Kribbelfaktor, bei dem man sofort wissen will, was da unten in den Tiefen lauert.

Richtig ins Herz geschlossen habe ich aber die Rückblende in Steins Alltag da oben auf der Erde: Der Junge wächst über einem Reptiliengeschäft auf, hat Großeltern, die wie ein dicker Frosch und eine ledrige Echse beschrieben werden, und teilt sich den Kühlschrank ganz selbstverständlich mit Kakerlaken und tiefgekühlten Futtertieren. Das ist so erfrischend unkonventionell und skurril geerdet, ohne je ins Alberne abzugleiten. Auch die kleine Schlange Niji, die nicht wachsen will, ihre Farbe wie ein Chamäleon wechselt und es sich am liebsten im Ärmel gemütlich macht, schließt man sofort ins Herz.

Dahinter liegt aber eine ganz feine, spürbare Melancholie, die der Geschichte das nötige Gewicht verleiht: Die verschwundene Mutter, die einst Runensteine erforschte und wie vom Erdboden verschluckt wurde, hinterlässt eine Leerstelle, die Stein bis heute schmerzt. Dass er nach einem traumatischen Schatzsuch-Unfall mit seiner besten Freundin Sofi panische Angst davor hat, in der Erde zu graben, gibt seinem späteren Sturz in die Unterwelt eine richtig starke Fallhöhe.

Die Illustrationen von Pasi Pitkänen setzen dem Ganzen die Krone auf – düster, dynamisch und perfekt passend zu diesem finnischen Mix aus Abenteuer und leiser Wehmut. Ich erwarte von dem Buch eine ungemein spannende, fantasievolle und geheimnisvolle Suche tief unter den Wurzeln der Welt, die junge Leser garantiert an die Seiten fesselt und auch älteren Semestern richtig Spaß macht!