Einfach mal reinfallen

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ravenmoon Avatar

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Manchmal ist eine Geschichte einfach so seltsam, dass man als Leser erst einmal kurz stehen bleibt und denkt: Okay … was passiert hier gerade? 😄 Genau dieses Gefühl hatte ich bei Serpentis – Das Rätsel der Schlangen – und irgendwie war gerade das ein Teil seines Reizes.

Stein ist zwölf Jahre alt und auf der Suche nach seiner verschwundenen Mutter. Dabei landet er nicht etwa an einem gewöhnlichen Ort, sondern tief unter der Erde und schließlich auf einem geheimnisvollen Zug, dessen Welt mit unserer ungefähr so viel gemeinsam hat wie ein Regenschirm mit einer Lokomotive. Menschen, merkwürdige Gestalten, eine Schlange namens Niji, alte Geheimnisse und jede Menge Dinge, die man erst einmal so hinnehmen muss, wie sie eben sind.

Denn Serpentis erklärt seine Welt nicht ständig. Man wird gemeinsam mit Stein hineingeworfen und entdeckt sie nach und nach. Das hat mir gut gefallen. Die Geschichte nimmt ziemlich schnell Fahrt auf und lässt einem kaum Zeit, sich gemütlich zurückzulehnen. Gerade am Anfang spricht Stein den Leser sogar immer wieder direkt an. Dadurch entsteht tatsächlich das Gefühl, dass man nicht nur seine Geschichte liest, sondern irgendwie mit ihm gemeinsam dort unterwegs ist. Später verliert sich dieses Stilmittel etwas, als Stein einen richtigen Gesprächspartner bekommt.

Überhaupt lebt das Buch stark von seiner ganz eigenen Atmosphäre. Ich hatte zunächst eine eher unheimliche Geschichte erwartet. Das trifft es für mich allerdings nicht ganz. Serpentis ist vielmehr skurril, fremdartig und manchmal herrlich schwer einzuordnen. Man muss sich auf diese Welt einlassen und akzeptieren, dass hier manches einfach anders funktioniert.

Und vielleicht ist genau das etwas, womit Kinder leichter umgehen können als Erwachsene. Während ich an manchen Stellen noch dachte: „Moment … warum eigentlich?“, könnte ein zehnjähriger Leser vermutlich viel schneller sagen: „Na und? Dann ist das eben so.“ 😄

Besonders hervorheben muss ich die Gestaltung des Buches. Serpentis ist nicht einfach ein hübsch illustriertes Kinderbuch. Die Bilder von Pasi Pitkänen sind kleine Kunstwerke und gehören für mich ganz selbstverständlich zum Leseerlebnis dazu. Es gibt zahlreiche ganzseitige Illustrationen, daneben immer wieder kleinere Zeichnungen – und die Qualität bleibt dabei durchgehend beeindruckend. Zusammen mit der Geschichte entsteht dadurch eine ganz eigene Vorstellung dieser merkwürdigen Welt. Text und Bilder funktionieren hier nicht nebeneinander, sondern miteinander.

Auch sprachlich hat mir das Buch gefallen. Die Übersetzung aus dem Finnischen von Elina Kritzokat liest sich flüssig und lässt die Geschichte angenehm leicht vorankommen.

Was am Ende bleibt, ist eine ungewöhnliche Fantasygeschichte, die sich nicht unbedingt darum bemüht, alles so zu gestalten, wie man es erwartet. Sie nimmt einen mit auf einen geheimnisvollen Zug, führt in eine völlig fremde Welt und lässt einen gemeinsam mit Stein herausfinden, was dort eigentlich vor sich geht.

Und manchmal ist es gar nicht schlecht, wenn ein Buch einen nicht sofort alles verstehen lässt. Man muss sich einfach darauf einlassen – und gelegentlich eben einfach mal reinfallen.