Rasante Zugfahrt in eine mysteriöse Welt

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Stein wächst bei seinen Großeltern in einem Reptiliengeschäft auf. Seine Mutter ist spurlos verschwunden, als er gerade mal ein Baby war und hat ihn dort, zusammen mit einer kleinen Schlange zurückgelassen. Er hat lediglich ein Foto, dass seine Mutter als kleines Mädchen zeigt und alles, was er über sie weiß, ist, dass sie sich schon immer für Steine und Runen interessiert hat. Als kurz nach seinem 12. Geburtstag seine Großeltern in ein Pflegeheim müssen, hinterlassen sie ihm ein paar Anweisungen und ein Geldbündel, mit dem sich Stein auf die Suche nach seiner Mutter macht. Diese führt ihn zunächst nach Stockholm und von dort auf einen alten Friedhof und unter die Erde, wo er auf einem unterirdischen Bahnhof landet und ein Zug auf ihn zugedonnert kommt ...

Was für ein fantastisches Abenteuer! Die Geschichte hatte uns von den ersten Seiten an gepackt und nicht mehr losgelassen. Wer ungewöhnliche Settings mag, schräge Figuren und bizarre Dinge, kommt hier voll auf seine Kosten. Silja Sillanpää erschafft hier eine ganz eigene Parallelwelt voller Schlangen, Rätsel und dunkler Runenmagie, voller Spannung und ohne Grusel. Stein ist ein toller Protagonist, der uns Leser direkt anspricht und mitnimmt auf seine magische Abenteuerreise und die emotionale Suche nach seiner Mutter. Mein 10-jähriger Mitleser hat richtig mitgefiebert und auch ich fand die Geschichte so spannend, dass ich zwischendurch in Versuchung geriet, ohne meinen Sohn weiterzulesen. Auch sprachlich hat uns das Buch richtig gut gefallen, der Schreibstil ist modern und mitreißend ohne zu überladen zu sein - ein großes Lob an die Übersetzerin Elina Kritzokat. Optisch ist das Buch ein wahres Highlight! Angefangen bei dem mysteriösen Cover, über die großflächigen Illustrationen bis hin zur Farbgestaltung - Pasi Pitkänen fängt das Geheimnisvolle, Düstere der Geschichte herausragend ein, Text und Bild greifen hier wunderbar ineinander.

Besonders hervorheben möchte ich noch ein zwischengeschobenes Kapitel in der Mitte des Buches, ein Rückblick, in dem Stein uns Leser erneut direkt anspricht und das bisher Geschehene noch einmal kurz zusammenfasst, damit wir "auf Kurs" sind. Was für ein grandioser Einfall! Richtig gut gefallen hat mir auch, dass die Parallelwelt von Serpentis nicht ständig erklärt wird. Ganz selbstverständlich hat hier das Mädchen Dia zwei Väter und in einem Zugabteil trifft Stein auf nicht binäre Geschlechter, Schlangen sind Schlüssel, die Türen öffnen und Früchte schmecken nach Kuchen mit Zimt und Kakao. Wir werden mit Stein in die Geschichte und in diese Welt hineingeworfen und können sie Stück für Stück gemeinsam mit ihm entdecken.

Eine tolle, ungewöhnliche, temporeiche Geschichte und ein sehr gelungener Auftakt einer Fantasyreihe - wir freuen uns schon auf den zweiten Band!