ADHS im Roman

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dielesejule Avatar

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📖 Oz fĂ€llt einfach aus dem Raster – Schule, Alltag, Erwartungen, alles fĂŒhlt sich fĂŒr ihn irgendwie nicht passend an. Ziemlich schnell bekommt er ein Label (ADHS, neurodivergent), und plötzlich drehen sich alle nur noch darum, ihn zu analysieren, zu therapieren und irgendwie „anzupassen“.Aber seine Mutter Ann macht da nicht einfach mit. Sie spĂŒrt, dass diese Zuschreibungen ihm nicht gerecht werden – vielleicht sogar im Gegenteil. Und je mehr sie hinschaut, desto klarer wird: Das, was Oz „anders“ macht, kennt sie selbst nur zu gut.
Als dann noch die Großmutter verschwindet, mĂŒssen die beiden zurĂŒck in Anns Heimat – und plötzlich geht’s nicht mehr nur um Oz, sondern auch um Anns eigene Geschichte. Vieles, was frĂŒher „komisch“ oder „falsch“ wirkte, bekommt eine neue Bedeutung.
⭐ Am beeindruckendsten fand ich, wie intensiv die Gedankenwelt von Ann und Oz dargestellt wird. Diese Flut an Gedankenfetzen, das Abschweifen, die VerĂ€stelungen – man hat wirklich das GefĂŒhl, direkt in ihren Köpfen zu sein. Dieses „Mitschreiben“ macht alles unglaublich nahbar und authentisch.
⭐ Es ist mein erstes Buch mit ADHS-Protagonist:innen gewesen, und ich habe nochmal ganz anders verstanden, wie herausfordernd Fokus sein kann. Gleichzeitig wird aber auch sichtbar, wie reflektiert Ann ist – sie hinterfragt sich selbst stĂ€ndig und erkennt sehr klar, wo Spannungen entstehen.
⭐ Besonders berĂŒhrt hat mich, dass das Anderssein hier nicht nur als Problem gezeigt wird, sondern auch als eigene Art, die Welt wahrzunehmen – sensibel, vielschichtig und irgendwie intensiver.
⭐ Wer entscheidet eigentlich, wie wir sein sollen? Das Buch nĂ€hert sich dieser Frage ganz ruhig und unaufgeregt – und genau das macht es so nachhallend.
💭 Greifst du bewusst zu Geschichten ĂŒber das Anderssein – oder liest du solche BĂŒcher eher zufĂ€llig/ gar nicht?