Anders sein

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loreley Avatar

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Die Geschichte hatte mich interessiert, weil es laut Klappentext und Leseprobe um die neurodivergente Mutter Ann und ihren Sohn Oz geht. Beide haben ADHS und müssen dagegen ankämpfen, in eine gesellschaftliche Norm gepresst zu werden.
Leider war dies nur im ersten drittel des Romans zu ersehen, danach ging es nur darum, die aus dem Krankenhaus entlaufene Großmutter und dann auch den verschwundenen Oz zu suchen. Zwar werden mit der Schwester, die ein alternatives Leben auf einem Selbstversorger-Bauernhof führt und der dementen Oma weitere unkonventionelle Frauenbilder eingeführt, aber diese werden lediglich angerissen.
Der Junge hat laut Inhaltsangabe Probleme in der Schule. Diese können bei einem Notendurchschnitt von 1,2 allerdings nicht dramatisch sein. Bei einem Vorkommnis hat Oz etwas angerichtet, was meiner Meinung nach hoch empathisch war, nach Außen aber wie eine schlimme Missetat wirkte. Trotzdem hat er Freunde und gute Noten. Auch die Mutter lebt zwar in Trennung, hat aber trotz ihres Andersseins eine berufliche Nische gefunden. Auch hier werden ihre Art ungewöhnlich zu denken und ihre Probleme mit Kollegen nur angerissen. Man spürt beim Lesen einfach nicht, dass eine der Protagonisten Leidensdruck hat oder an Grenzen stösst. Ich kann mit vorstellen, dass ADHS für die Betroffenen nicht nur positives mit sich bringt. Hier wirkt es ein wenig so, als würde man die Menschen mit ADHS als liebenswert-chaotisch darstellen und ich bin mir nicht sicher, ob man diesen damit tatsächlich so gerecht wird.

Gut finde ich, dass die Autorin keine platten Lösungen findet, sondern die Figuren mit ihren Besonderheiten und Sensibilitäten stehen lässt. Trotzdem hat mich die Geschichte leider nicht wirklich abgeholt. Ich hätte mir gewünscht, mehr über das Denken, Fühlen, die Impulsivität und Kreativität von Menschen mit ADHS zu erfahren.