Die Akzeptanz neurodivergenter Menschen in unserer Gesellschaft.
Ich frage mich, wenn es Dr. Sheldon Cooper, den Gewinner des Nobelpreises aus “Big Bang Theory” nicht gegeben hätte, oder die “Rosie” Bücher von Graeme Simsion, wie weit unser heutiges Verständnis für neuro divergente Menschen wäre? Früher nannte man sie lapidar Zappelphilipp und war der Meinung, diese Kinder brauchen nichts als Zucht, Disziplin und Ordnung und das wächst sich irgendwann aus. Tut es aber nicht. Wie Ann, die Mutter von Oz, in Birgit Bernbachers Buch “Sie wollen uns erzählen” voll unter Beweis stellt. Ihre ganze Kraft geht auf ihre Forschungsarbeit und ihren Sohn auf. Da bleibt nicht mehr viel übrig für “das bisschen Haushalt - sagt mein Mann". Oz ist auch anders, lässt sich nur in die Schublade “Zappelphilipp” stecken, weil er hochintelligent zwar, aber nicht sozial kommunizieren kann. Aber er hat ein sehr starkes Empathiegefühl und erkennt das Leiden seiner Mutter oder des kleinen Schulhasen.
Mutter und Sohn, beide mit ADHS, Mutter als Kind als “energiegeladen” eingestuft, weil damals Begriffe wie ADHS oder Neuro Divergent unbekannt waren, der Sohn zwar diagnostiziert, aber mit der Diagnose allein ist es ja noch nicht getan, tut sich schwer in der Schule. Bei Themen, die ihn nicht interessieren, schweift er ab, den Kleinsten Gemeinsamen Vielfachen bringt ihn zum Nachdenken und Tagträumen über kleine grüne Männchen. Die junge Lehrerin, unerfahren und hilflos, ist am Ende ihrer Weisheit mit diesem Kind. Ann und Oz haben wirklich nur sich selbst. Es gibt zwar einen Vater, Christian, der durch Abwesenheit immer häufiger glänzt. Er ist beruflich viel in Wien und kann nicht mal an den Wochenenden nach Salzburg nach Hause kommen. Und das in einem so großen weiten Land wie Österreich. Er entzieht sich dem Chaos daheim, sucht die Schuld zuerst anderswo, beim Klima, beim Wasser, bei seiner Frau. Sie ist zu sprunghaft, zu unordentlich, zu alles. Deswegen hat Oz Probleme in der Schule.
Die eine Szene im Buch, in der Ann und Oz mit dem Bus fahren, hat mich beeindruckt und mich an eine andere Szene erinnert: Mein Sohn hat bei Lehrern auch ständig angeeckt. Zwar nicht ADHS, aber mit einem sehr hohen IQ hat er sich im Unterricht langweilt und gestört. Sein Grundschullehrer weigerte sich, ihm und den anderen Kindern, die über dem Klassendurchschnitt lagen, zusätzliche Aufgaben und Übungen zu geben, das war ihm zu viel Arbeit und Mühe. Andere Lehrer an der Schule taten das durchaus und mit großem Erfolg. Egal, auf einer Busfahrt spielten mein Sohn und ich das Buchstabenspiel. Einer sagt laut A und sagt dann in Gedanken das Alphabet durch und der andere ruft dann irgendwann Stop! Mit dem Buchstaben mussten wir möglichst viele Wörter finden. Irgendwann wurde es langweilig und mein Kind schlug vor, nach jedem Wort ein “Bulette” zu setzen. Zwiebelbulette ging ganz gut. Bärenbulette, Ikeabulette gingen noch, aber bei Schubladenbuletten und Tulpenbuletten prusteten wir los und der Bus lachte mit. Ich will damit sagen, ich kenne dieses Gefühl nur zu gut: Mein Kind und ich gegen den Rest der Welt und ab und zu der tröstliche Gedanke, im Einklang zu sein. Zumindest mit dem Kind.
Am letzten Schultag geht Oz mit schweren Herzen und einem ominösen Brief im Schulranzen nach Hause. Er hat zwar die Noten zum Übertritt aufs Gymnasium, aber der Brief der Lehrerin an die Mutter wird alles zunichte machen. Er hat Glück im Unglück. Ann wurde benachrichtigt, ihre Mutter ist aus dem Krankenhaus ausgebüxt und ist unauffindbar. Ann packt Oz ins Auto und fährt los, ins Innergebirg in den Alpen, um nach der Mutter zu suchen. Anns Schwester, Nell, weigert sich zuerst, nach der Mutter zu suchen, kommt dann aber doch. Mit Hilfe eines Nachbarn finden sie die Mutter auf einer Wiese, aber die Mutter weigert sich, zurück ins Krankenhaus zu gehen. Es kommt zu Komplikationen, Nell sollte ursprünglich Oz in ein Feriencamp für ADHS-Kinder mitnehmen, doch sie weigert sich, das Kind im Camp abzugeben, nimmt ihn mit zu sich auf den Bauernhof, ohne das Wissen der Mutter. Dort aber vergisst Nelly, sich um das Kind zu kümmern. Müde, hungrig und allein auf sich gestellt, läuft Oz davon, mit seinem Rucksack und dem Handy seiner Tante. Bei strömenden Regen, der sich in kürzester Zeit zu einer nationalen Katastrophe ausweitet. Über einige Umwege wegen des Hochwassers und mit Hilfe guter Mitmenschen, einiger Busse und Bahnen, vieler Telefonate der mutter mit diversen Bus- und Bahnhof Vorstehern, gelingt es Mutter und Sohn, zusammenzufinden. In einem Land, das im begriff ist, in Chaos zu versinken, kann Ann die die Fahrten ihres Sohnes vom Telefon aus steuern und das Kind sicher zu ihr bringen. Manchmal, für einen zehnjährigen Jungen, kann auch Österreich zu einem großen Land werden.
Birgit Birnbacher fängt in der Sprache die Gedankengänge und -sprünge ihrer Protagonisten richtig ein. Auf den ersten Blick wirr, aber wenn man sich darauf einlässt, merkt man, wie logisch sich doch alles aneinanderreiht. Mit viel Zartgefühl beschreibt sie die schwierigen Situationen von Mutter und Kind und wie sie gegen den Rest der Welt eine Einheit bilden. Die Mutter erkennt in Oz so viele Wesenszüge von sich, sie versteht ihn und bringt ihm all ihre bedingungslose Liebe entgegen.
Mutter und Sohn, beide mit ADHS, Mutter als Kind als “energiegeladen” eingestuft, weil damals Begriffe wie ADHS oder Neuro Divergent unbekannt waren, der Sohn zwar diagnostiziert, aber mit der Diagnose allein ist es ja noch nicht getan, tut sich schwer in der Schule. Bei Themen, die ihn nicht interessieren, schweift er ab, den Kleinsten Gemeinsamen Vielfachen bringt ihn zum Nachdenken und Tagträumen über kleine grüne Männchen. Die junge Lehrerin, unerfahren und hilflos, ist am Ende ihrer Weisheit mit diesem Kind. Ann und Oz haben wirklich nur sich selbst. Es gibt zwar einen Vater, Christian, der durch Abwesenheit immer häufiger glänzt. Er ist beruflich viel in Wien und kann nicht mal an den Wochenenden nach Salzburg nach Hause kommen. Und das in einem so großen weiten Land wie Österreich. Er entzieht sich dem Chaos daheim, sucht die Schuld zuerst anderswo, beim Klima, beim Wasser, bei seiner Frau. Sie ist zu sprunghaft, zu unordentlich, zu alles. Deswegen hat Oz Probleme in der Schule.
Die eine Szene im Buch, in der Ann und Oz mit dem Bus fahren, hat mich beeindruckt und mich an eine andere Szene erinnert: Mein Sohn hat bei Lehrern auch ständig angeeckt. Zwar nicht ADHS, aber mit einem sehr hohen IQ hat er sich im Unterricht langweilt und gestört. Sein Grundschullehrer weigerte sich, ihm und den anderen Kindern, die über dem Klassendurchschnitt lagen, zusätzliche Aufgaben und Übungen zu geben, das war ihm zu viel Arbeit und Mühe. Andere Lehrer an der Schule taten das durchaus und mit großem Erfolg. Egal, auf einer Busfahrt spielten mein Sohn und ich das Buchstabenspiel. Einer sagt laut A und sagt dann in Gedanken das Alphabet durch und der andere ruft dann irgendwann Stop! Mit dem Buchstaben mussten wir möglichst viele Wörter finden. Irgendwann wurde es langweilig und mein Kind schlug vor, nach jedem Wort ein “Bulette” zu setzen. Zwiebelbulette ging ganz gut. Bärenbulette, Ikeabulette gingen noch, aber bei Schubladenbuletten und Tulpenbuletten prusteten wir los und der Bus lachte mit. Ich will damit sagen, ich kenne dieses Gefühl nur zu gut: Mein Kind und ich gegen den Rest der Welt und ab und zu der tröstliche Gedanke, im Einklang zu sein. Zumindest mit dem Kind.
Am letzten Schultag geht Oz mit schweren Herzen und einem ominösen Brief im Schulranzen nach Hause. Er hat zwar die Noten zum Übertritt aufs Gymnasium, aber der Brief der Lehrerin an die Mutter wird alles zunichte machen. Er hat Glück im Unglück. Ann wurde benachrichtigt, ihre Mutter ist aus dem Krankenhaus ausgebüxt und ist unauffindbar. Ann packt Oz ins Auto und fährt los, ins Innergebirg in den Alpen, um nach der Mutter zu suchen. Anns Schwester, Nell, weigert sich zuerst, nach der Mutter zu suchen, kommt dann aber doch. Mit Hilfe eines Nachbarn finden sie die Mutter auf einer Wiese, aber die Mutter weigert sich, zurück ins Krankenhaus zu gehen. Es kommt zu Komplikationen, Nell sollte ursprünglich Oz in ein Feriencamp für ADHS-Kinder mitnehmen, doch sie weigert sich, das Kind im Camp abzugeben, nimmt ihn mit zu sich auf den Bauernhof, ohne das Wissen der Mutter. Dort aber vergisst Nelly, sich um das Kind zu kümmern. Müde, hungrig und allein auf sich gestellt, läuft Oz davon, mit seinem Rucksack und dem Handy seiner Tante. Bei strömenden Regen, der sich in kürzester Zeit zu einer nationalen Katastrophe ausweitet. Über einige Umwege wegen des Hochwassers und mit Hilfe guter Mitmenschen, einiger Busse und Bahnen, vieler Telefonate der mutter mit diversen Bus- und Bahnhof Vorstehern, gelingt es Mutter und Sohn, zusammenzufinden. In einem Land, das im begriff ist, in Chaos zu versinken, kann Ann die die Fahrten ihres Sohnes vom Telefon aus steuern und das Kind sicher zu ihr bringen. Manchmal, für einen zehnjährigen Jungen, kann auch Österreich zu einem großen Land werden.
Birgit Birnbacher fängt in der Sprache die Gedankengänge und -sprünge ihrer Protagonisten richtig ein. Auf den ersten Blick wirr, aber wenn man sich darauf einlässt, merkt man, wie logisch sich doch alles aneinanderreiht. Mit viel Zartgefühl beschreibt sie die schwierigen Situationen von Mutter und Kind und wie sie gegen den Rest der Welt eine Einheit bilden. Die Mutter erkennt in Oz so viele Wesenszüge von sich, sie versteht ihn und bringt ihm all ihre bedingungslose Liebe entgegen.