Hat mich verloren, obwohl es so gut anfing

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yelson Avatar

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„Sie wollen uns erzählen“ hat für mich einen sehr gelungenen Einstieg: In einer gedankenstromartigen Erzählweise lernen wir unmittelbar Ozzy und seine Mutter Ann kennen. Ozzy lebt mit ADHS, und auch Ann ist neurodivergent. Beide versuchen, sich in einem System zurechtzufinden, das nicht für sie gemacht ist – sowohl individuell als auch miteinander.

Gerade dieser starke Anfang hat mich neugierig gemacht und dazu gebracht, weiterlesen zu wollen. Im Verlauf habe ich jedoch gemerkt, dass die Lektüre für mich zunehmend mehr Konzentration erforderte. Der Erzählstil erschwerte es mir, die Handlung klar nachzuvollziehen und einzelne Ereignisse sinnvoll in den Gesamtkontext einzuordnen. Interessanterweise hat mir der Klappentext stellenweise mehr Orientierung geboten als der eigentliche Text, der komplett auf wörtliche Rede verzichtet.

Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass genau dieser Stil die Thematik auf gewisse Weise unterstreicht und transportiert. Um jedoch eine stärkere Nähe zu den Figuren und ihrer Entwicklung zu empfinden, hätte ich persönlich eine zugänglichere Erzählweise gebraucht.

Ich vergebe daher drei Sterne, da ich durchaus einige eindrückliche und schöne Passagen für mich mitnehmen konnte, zum Beispiel: „Du brauchst keine Angst haben, sagt sie, was für eine bescheuerte Antwort, denkt sie sogleich, die bescheuerteste überhaupt, als sei Angst etwas, wofür man sich rational entscheidet.“

Weiterempfehlen würde ich das Buch allerdings eher nicht – schade!